Good Bye, Kantine »Gramsci«!

Schluss, aus und vorbei! Die fünfte Kantine liegt hinter uns und wir blicken mit Freude, aber auch mit ein bisschen Wehmut auf die vergangene Woche zurück. Wie immer: ohne euch wär’s alles nicht möglich gewesen! Wir bedanken uns bei allen Besucher:innen, Referent:innen, Künstler:innen, beim Treibhaus e.V. Döbeln, beim Technik-Support KMS, bei allen Fördermittelgeber:innen, bei der Koch-Crew, WkB e.V. und beim Subbotnik! Tausend Dank gilt auch den zahlreichen Helfer:innen, die uns die gesamte Woche über an allen Ecken und Enden unterstützt haben. Wir hoffen, niemanden vergessen zu haben und falls doch, dann seht’s uns nach – der Abbau ist noch im Gange.

Wir fanden’s schön, ihr hoffentlich auch? Für Anmerkungen oder Feedback erreicht ihr uns wie immer per Mail oder Social Media. Falls ihr selbst Teil der Kantine-Gang werden möchtet und Lust habt, bei der Organisation mitzuwirken: Wir haben eine Info-Mailingliste erstellt, mit der wir zukünftig zu einem offenen Plenum einladen oder euch über andere Dinge (z.B. Lesekreise) informieren möchten. Schreibt uns gern eure Mail-Adresse, falls ihr Interesse habt. Und damit bleibt vorerst nur zu sagen: bis spätestens nächstes Jahr.

Programmänderungen am Dienstag und Donnerstag

Leider muss der Stadtrundgang mit Mike Melzer am Dienstag 13:30 Uhr ausfallen. Die gute Nachricht: es bleibt bei einem Stadtrundgang, denn wir konnten Carolin Juler zum Thema »Der NSU Komplex in Chemnitz — rechte Kontinuitäten in Chemnitz und Südwestsachen« für unser Programm gewinnen.

Außerdem neu: Am Donnerstag um 13:30 Uhr haben wir Stefan Pimmer zu »Gramsci peripher/postkolonial« zu Gast.


Ausgehend von den 1990ern in Chemnitz und dem Untertauchen des sogenannten »NSU Trios« werden den Teilnehmenden des Stadtrundganges rechte Kontinuitäten in der Stadt Chemnitz aufgezeigt. Wie und durch wen konnte der NSU in Chemnitz untertauchen? Welche rechten Strukturen herrsch(t)en in der Stadt? Welche Akteurinnen gibt es bis heute? Wie lassen sich die Verbindungen zwischen Chemnitz 2018 und den Baselballschlägerjahren ziehen? Sonstiges: In dem circa 2 Stunden andauernden Stadtrundgang im Chemnitzer Stadtzentrum gehen die Teilnehmenden an Orte in der Chemnitzer Innenstadt, die vor allem durch die rechten Aufmärsche 2018 geprägt wurden. Eingangs wird es eine Einführung in den NSU Komplex geben, um Bezüge zur aktuellen Situation und Akteurinnen in Chemnitz und Südwestsachsen herzustellen.
TW: Das Format setzt sich vor allem mit Täter*innen und Neonazis auseinander. Es wird um rechten Terror, Morde und Anschläge von Neonazis gehen, weshalb es für die Teilnehmenden durchaus bedrückend sein kann, das Gehörte zu verarbeiten.

Start des Rundgangs: Subbotnik 13:30

Ende des Rundgangs: Karl-Marx-Kopf ca. 15:15

Carolin arbeitet und forscht als freiberufliche Bildungsreferentin zu den Themen NSU-Komplex, Rechte Szene in Chemnitz und Südwestsachsen und zur Gedenkarbeit für Betroffene von rechtsterroristischer Gewalt. Carolin lebt in Chemnitz und ist dort parlamentarisch und außerparlamentarisch politisch aktiv.


Stefan Pimmer: Gramsci peripher/postkolonial
Donnerstag, 04.08.22, 13:00

Ausgehend von Italien hat Gramscis Denken eine weltweite Verbreitung erfahren, die sich auch auf den »globalen Süden« erstreckt. Die Übertragung seiner Konzepte auf periphere Gesellschaften ist jedoch nicht unumstritten. Als Theoretiker der Revolution im »Westen« wird seinen Überlegungen mitunter eine eingeschränkte Gültigkeit für postkoloniale Herrschaftsverhältnisse attestiert, oder ihnen eine eurozentrische Sichtweise bescheinigt. Demgegenüber argumentiert der Vortrag, dass Gramscis politische und theoretische Interventionen oft ein großes Augenmerk auf Zentrum-Peripherie-Verhältnisse aufweisen und ihnen sogar eine postkoloniale Kondition zugrunde liegt. Dies bedeutet jedoch keinen theoretischen Freifahrtsschein für den »globalen Süden«. Der Vortrag plädiert daher für eine Übersetzungsarbeit, um gramscianische Konzepte für die Spezifika postkolonialer Verhältnisse zu sensibilisieren.

Stefan Pimmer ist Sozialwissenschaftler mit Schwerpunkt Lateinamerika; zurzeit an der Universität von Buenos Aires, wo er seine Doktorarbeit zur argentinischen und lateinamerikanischen Gramsci-Rezeption schreibt.

Gramsci als Kalenderspruch – Rezeptionslinien vom Zweiten Weltkrieg bis heute

Am 27. April 1937, am heutigen Tag vor 85 Jahren, starb der italienische Journalist und marxistische Politiker Antonio Gramsci. Er war bereits elf Jahre in politischer Haft, als ihm krankheitsgeschwächt und fast völlig isoliert von der Außenwelt vom faschistischen Führer, dem Duce, die Freilassung aus dem Gefängnis gewährt wurde. Das Krankenhaus, in das er bereits lange Zeit zuvor verlegt wurde, verließ er allerdings nicht mehr. Seine Freilassung war zynisch, da der einstige Führer der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) schon längst keine Gefahr mehr für seinen ehemaligen Parteigenossen und Renegaten Mussolini darstellte. »Ich bin«, schrieb er bereits 1932 aus dem Gefängnis an seine Schwägerin Tatjana Schucht, »an einen solchen Punkt gelangt, dass meine Widerstandskräfte kurz vor dem Zusammenbruch stehen, ich weiß nicht mit was für Konsequenzen.«

Gramsci hinterließ ein gewaltiges fragmentarisches Werk mit Gedanken und Notizen zur politischen Theorie, der Geschichte, Philosophie, Sprache und Kultur Italiens sowie Überlegungen zu Organisation und Adressaten einer revolutionären Theorie im Marxismus. Die insgesamt 32 Gefängnishefte waren nicht zur Veröffentlichung gedacht und nur erste Vorarbeiten Gramscis. Sie dokumentieren den Versuch einer Reflexion auf die Erfahrung einer gescheiterten proletarischen Revolution und der Machtergreifung des Faschismus in Italien und damit einer kritischen Betrachtung orthodox-marxistischer Theorie insgesamt. Er bezeichnete sie als »bloße Behauptungen«. Und fügte hinzu: »Manche von ihnen könnten bei den weiteren Untersuchungen aufgegeben werden, und womöglich könnte sich die entgegengesetzte Behauptung als die richtige erweisen.«


Neben der Form seines Werkes scheint eine weitere Ursache für die zwar immer wieder enthusiastische, aber doch in weiten Teilen selektive Rezeption seines Werkes eben dessen Vielschichtigkeit zu sein. Die stärkere Betonung der kulturellen und politischen Sphäre in der Gesellschaft gegenüber dem Ökonomischen eignete sich nicht für eine Rezeptionslinie in der DDR. Gramsci wurde zwar als KPI-Führer und Opfer des Faschismus, als Antifaschist, Respekt zuteil, aber seine Arbeiten stießen hingegen auf wenig Interesse. Selbst einige wenige Übersetzungen seiner Texte und Notizen ab den 1980er Jahren konnten die hegemoniale Theorie des »dialektischen Materialismus« (Diamat) nicht herausfordern.

Ein anderes Bild zeigte sich im Westen. Auf allen politischen Seiten schien Gramsci zur Neuausrichtung politischer Strategien und Analysen zu taugen. Ein extremes Beispiel sind die Arbeiten von Alain de Benoist, dem Vordenker der Nouvelle Droite in Frankreich, und dessen Adepten hierzulande, die darauf zielen, den »vorpolitischen Raum« von den »Links- und Neoliberalen« zurückzugewinnen (»Metapolitik«). Aber auch auf linker Seite pickt man sich oft die guten Sprüche zur Gestaltung des eigenen Kalenders aus dem Notizblock Gramscis heraus.

Bereits 1987, in einem Text zum 50. Todestag des Kommunisten, konstatierte Elmar Altvater, Gramscis Werk werde vor allem in der westdeutschen Linken immer nur »gefiltert« wahrgenommen und rezipiert. Beginnend in den 1960er Jahren mit der Herausgabe einer Anthologie (»Philosophie der Praxis«) markierte Christian Riechers Gramsci zwar als heterodoxen und revolutionären Philosophen, der den Voluntarismus im Marxismus betont, entwertete ihn aber implizit als Idealisten und Repräsentanten einer insgesamt gescheiterten italienischen Linken.

Später, mit der aufkommenden 68-Bewegung, kam es erstmals zu einem gewissen Gramsci-Enthusiasmus – verbunden mit Fragen der Organisation und Militanz. Gefiltert durch die realen Klassenkämpfe mit spontanen Streiks und Fabrikbesetzungen in Italien und Frankreich. Gerade Italien zeigt eine wichtige Parallele zu Deutschland, in der sich Gewalt als Mittel der politischen Durchsetzung in Selbstzweck verwandelte und damit desavouierte. Der italienische Operaismus jener Zeit war dezidiert anti-gramscianisch. Die deutsche Linke nahm Gramsci – wenn überhaupt – vor allem über den französischen Strukturalismus wahr, allen voran gefiltert durch Louis Althusser und dessen Überlegungen zu »ideologischen« und »repressiven Staatsapparaten«. Staatsapparate seien in der Funktion Ausdruck von Antagonismen im ökonomischen Unterbau. Doch war Gramsci nicht derjenige, der dem Überbau eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber der Basis zubilligte?

Zu guter Letzt waren Teile der Gefängnishefte auch Vehikel allerhand reformorientierter Politik. Als sich Ende der 1970er Jahre viele Debatten zu Fragen der Hegemonie von Organisationen, Institutionen und den dazugehörigen Strategien entspannen, schien ein regelrechtes »Gramsci-Fieber« auszubrechen. Man versprach sich eine langfristige Perspektive auf »eurokommunistische« Reformen hin zum Sozialismus. Selbst die deutsche Sozialdemokratie versuchte sich Mitte der 1980er Jahre und mit dem Beginn einer sogenannten »Konservativen Wende« an einer Strategieänderung mit Bezugnahme auf Gramsci. Man schreckte nicht davor zurück, sich die Begriffe der Leute anzueignen, die man wenig zuvor noch mit Berufsverboten belegte.

Heute tauchen Begriffe wie »Subalterne« oder »Hegemonie« vor allem als Schlagworte einer nicht klar zu umreißenden Theorierichtung auf, die gern mit der Sammelbezeichnung »Cultural Studies« versehen wird, deren Entstehung in Großbritannien stark mit dem Namen Stuart Hall verbunden ist. Gramsci ist dort für die New Left schon länger ein Begriff und Hall hatte für das fragmentarische Werk auch ein gewisses Problembewusstsein: »I do not claim that, in any simple way, Gramsci ›has the answers‹ or ›holds the key‹ to our present troubles. I do believe that we must ›think‹ our problems in a Gramscian way – which is different.« Auch für die Postcolonial Studies hat Gramsci mit seinem non-eurocentric knowledge eine große Bedeutung.

Für alle hier genannten Rezeptionslinien gilt der gleiche Umstand: Weder auf Englisch noch auf Französisch gibt es eine Gesamtausgabe der Gefängnishefte. In Deutschland gibt es die ab Anfang der 1990er vom Argument-Verlag herausgegebene und vom Institut für kritische Theorie (Inkrit) erstellte und sorgfältig editierte »Kritische Gesamtausgabe« orientiert an der italienischen Ausgabe. Reichlich spät für eine lange »erfolgreiche« Rezeptionsgeschichte.

Für einen Kalenderspruch reicht‘s.

Gramsci Lesekreis

Da die Kantine erst im August stattfindet, haben wir einen Lesekreis gegründet, der sich bis dahin mit Gramscis theoretischen Beiträgen befassen soll!

Wir treffen uns einmal im Monat und widmen uns bestimmten Textausschnitten zu Gramsci. Die Texte und Termine werden gemeinsam am Ende jeder Sitzung ausgewählt.

In den ersten Besprechungen ging es um die Begriffe von Organischer Krise und Passiver Revolutionen bei Gramsci.

Im Folgenden erhalt Ihr die wichtigsten Informationen zum Lesekreis:

Wann: Das nächste Treffen findet am 13.04. um 18 Uhr statt. 

Wo: Online via Zoom

Anmeldung: Schreibt uns eine Nachricht bei Facebook: Kantine Festival, Instragram: Kantine »Gramsci« (@kantine_festival) oder per Kontaktformular

Genauere Infos zum Text, zum Ablauf unserer Treffen sowie den Zoom-Link erhaltet ihr via Privatnachricht.

Ankündigung der Kantine »Gramsci« vom 01. bis 07. August 2022

»Wir müssen für zwanzig Jahre verhindern, dass dieses Hirn funktioniert.«

Mit diesen Worten endete 1928 die Anklage des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci. 1891 auf Sardinien geboren, war Gramsci bis zu seiner Verhaftung einer der wichtigsten Vertreter der italienischen Arbeiterbewegung und intellektueller Widersacher des Faschismus unter Benito Mussolini. Dass Gramscis Hirn anders als von den Faschisten erhofft auch noch während seiner Haft „funktionierte“, davon zeugen die während dieser Zeit entstandenen Notizen, die bis heute als Gefängnishefte einen prominenten Platz in der marxistischen Theoriebildung einnehmen.

Jenseits von mechanistischen Ableitungen des gesellschaftlichen “Überbaus” aus der ökonomischen “Basis” entwickelt Gramsci in den Gefängnisheften eine Perspektive auf die Kultur, die Ideenwelt und das politische Leben einer Gesellschaft, die diese in ihren jeweiligen Eigenlogiken und ihren Rückwirkungen auf die kapitalistische Produktionsweise ernst nimmt. Möglich wird so eine präzise und detailreiche Analyse des Alltagslebens, des staatlichen Handelns, der kapitalistischen Krisen und ihrer Bewältigung sowie der verschiedenen Klassen und Interessengruppen in einer Gesellschaft.
Mit seinen Überlegungen zur Hegemonie, zur Erziehung und politischen Führung widmete sich Gramsci außerdem strategischen Fragestellungen und beeinflusst bis heute unterschiedliche linke Strömungen im Nachdenken darüber, wie Veränderung überhaupt möglich ist.

Veränderung war zeitlebens auch Ziel von Gramscis politischem Wirken. Als Student nach Turin gekommen, strebte Gramsci während der sogenannten „roten Jahre“ 1919/20 als Autor verschiedener Zeitungen und Mitglied der Partito Socialista Italiano (PSI) den Aufbau einer kommunistischen Massenbewegung an. Mit der Dritten Internationalen, die sich gegen Sozialdemokratie und Reformismus richtete, spaltete sich wie auch in anderen europäischen Ländern die italienische Linke. Gramsci gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Partito Comunista Italiano (PCI) nach sowjetischem Vorbild, deren Vorsitzender er 1924 werden sollte. 

In dieser Zeit, als die italienische Linke interne Kämpfe austrug, erstarkten die faschistischen Kräfte in Italien. Im Oktober 1922 wurde Benito Mussolini nach dem “Marsch auf Rom” zum Ministerpräsidenten ernannt. Gramsci setzte sich in der Folge mit den Fehlern des linken Lagers und der Schwäche des liberalen Staates auseinander. Im Kampf gegen den Faschismus sah Gramsci nun die dringlichste Aufgabe der Arbeiterklasse. Aufhalten konnte das Mussolini nicht, der spätestens ab 1925 totalitär herrschte. In Folge eines Attentat-Versuchs ein Jahr später ließ er die Oppositionsparteien verbieten und schränkte die Pressefreiheit ein. Mit anderen führenden Köpfen der Linken wurde Antonio Gramsci verhaftet. 1937 starb er an den gesundheitlichen Folgen der Haft.

Auf der Kantine wollen wir uns – 100 Jahre nach dem Marsch auf Rom – nicht nur mit dem zeitgeschichtlichen Kontext auseinandersetzen, in dem Gramsci gewirkt hat. Abseits von stichwortartigen Bezügen werden wir uns mit allen Interessierten eine Woche Zeit nehmen, um einen Zugang zu Gramscis Werk zu entwickeln. Wir werden auf dessen weit verzweigte Rezeptionsgeschichte blicken und wollen sein Denken auch als Werkzeug zum Verständnis der Gegenwart und der Möglichkeiten von emanzipatorischem Handeln heute diskutieren.

Achtung: Programmänderung heute

Heute gibt es einen Programmtausch: Die Lesung „Flexen“ von Mia Göhring & Sibylla Vričić Hausmann findet 11 Uhr statt, 14 Uhr hält dann Elfriede Müller den Vortrag „Die Neue Frau und das revolutionäre Selbst nach der Russischen Revolution“.

Ausfall

Der Vortrag von Nadja Bennewitz am Dienstag um 11 Uhr fällt leider krankheitsbedingt aus. Schade.

Das Geschlechterverhältnis in der anarchistischen Pädagogik am Beispiel von Louise Michel, Emma Goldman, Syndikalistischem Frauenbund und Mujeres Libres

Alexandra Opak

Dienstag, 24.08., 15:30 Uhr

Eine Auseinandersetzung mit dem Geschlechterverhältnis in der anarchistischen Pädagogik von 1850 bis 1939 verdeutlicht die starke Verbindung des modernen Anarchismus zur Aufklärung. Obwohl ihre realpolitische Wirkung geringer ausfiel, transzendierten Anarchistinnen in ihrer Kritik des kontemporären bürgerlichen Feminismus dessen
theoretischen Horizont. Libertäre Pädagogik sahen sie dabei als nützliches Mittel, um Prozesse vergeschlechtlichter Sozialisation und Arbeitsteilung zu wandeln. Louise Michel, Emma Goldman, der Syndikalistische Frauenbund und die Mujeres Libres übten nicht nur Kritik am Androzentrismus ihrer Genossen und der patriarchalen Gesellschaft ihrer Zeit, sondern versuchten anarchistische Utopien einem gesamtgesellschaftlichen Umbruch vorweg zu nehmen.

Aus Perspektive der historischen Bildungsforschung wird die libertäre Pädagogik zunächst in Verhältnis zu verschiednen anarchistischen und reformpädagogischen Strömungen gesetzt, um anschließend die konkreten
Projekte und Themenschwerpunkte ausgewählter Akteurinnen vorzustellen.


Alexandra Opak ist Erziehungswissenchaftlerin aus Köln. Sie sucht Möglichkeiten politischer Bildung entgegen polarisierender Betroffenheitsethik und hofft sich in der Diskussion ihrer Vorträge einem Verständnis der philosophischen Theorien hinter grundlegenden Konflikten im Feminismus weiter anzunähern. Sie arbeitet aktuell zu
bildungsphilosophischen Perspektiven auf den deutschen Sonderweg, zum Antisemitismus in Feminismus und Intersektionalitätsforschung, sowie zur Verwechslung von sozio-kultureller Verortung und politischem Standpunkt
des Subjekts in identitätspolitischen Erkenntniskritiken.