Über die Kantine »Benjamin«

»Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es ›so weiter‹ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende, sondern das jeweils Gegebene. Strindbergs Gedanke: die Hölle ist nichts, was uns bevorstünde – sondern dieses Leben hier.«
– Walter Benjamin: Zentralpark (1939)

Zur Lebzeit Walter Benjamins reihte sich eine Katastrophe an die andere: In zwei Weltkriegen, der Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg des Faschismus wurden die Schattenseiten der modernen, kapitalistischen Gesellschaft mehr denn je offenbar. Die Kritik an einem ungebrochenen Fortschrittsoptimismus bildete deshalb – geprägt durch das Erlebte und Beobachtete – einen zentralen Bezugspunkt für Benjamins Denken.

Der 1892 in Berlin geborene Philosoph und Literaturkritiker war einer der Protagonist*innen des regen europäischen Geisteslebens des frühen 20. Jahrhunderts. Mit Theodor W. Adorno und anderen Mitgliedern des Frankfurter Instituts für Sozialforschung stand er Zeit seines Lebens in engem intellektuellem Austausch, ebenso mit Denker*innen wie Gershom Scholem und Hannah Arendt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging Benjamin ins Exil nach Paris. Im September 1940 nahm er sich auf der Flucht vor der Gestapo im spanischen Grenzort Portbou das Leben.

Auch heute – 80 Jahre nach seinem Tod – haben Benjamins Betrachtungen über das Verhältnis von Fortschritt und Katastrophe nichts an ihrer Aktualität eingebüßt. Gerade deshalb lohnt sich eine Auseinandersetzung mit Benjamins Texten und der Frage, was es in Momenten einschneidender Veränderungen bedeuten kann, sich dem »so weiter« entgegenzustellen.

Nach der Kantine »Marx« und »Luxemburg« geht unser Theoriefestival dieses Jahr in die dritte Runde. Vom 24. – 30. August 2020 laden wir ins Subbotnik, eine alte Schulkantine in Chemnitz, ein, um uns gemeinsam eine Woche mit Vorträgen, Workshops, Lesungen, Spaziergängen, Hörspielen und mehr mit dem Leben und Denken Walter Benjamins auseinanderzusetzen.

Basis:

Überbau:

Gefördert durch den soziokulturellen Jugendfonds der Stadt Chemnitz

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