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Kollektive Mobilisierung des Rechts


Carolina Vestena

So wie Marx hat Antonio Gramsci keine Rechtstheorie im engen Sinn formuliert. Doch seine Analyse der kapitalistischen Gesellschaft, seine Konzeption von Hegemonie und der Kämpfe darum öffnen Perspektiven für ein kritisches Verständnis des Rechts und der politischen Auseinandersetzungen, die in dieser Arena ausgetragen werden. Zunehmend intervenieren Gerichte in brennende gesellschaftliche Themen. In Fällen wie den Klimazielen oder früheren Entscheidungen über reproduktive Rechte wird ersichtlich, dass Gerichtshöfe auch Räume für Kämpfe um Hegemonie darstellen. Vor diesem Hintergrund bezieht sich der Vortrag auf aktuelle rechtspolitische Auseinandersetzungen und betrachtet das Recht aus einer materialistischen gesellschaftstheoretischen Sicht. Zum einen wird eine Konzeption des Rechts selbst ausgelotet, die es sowohl als autonome soziale Form mit eigener Logik versteht, es zugleich aber auch als Raum der politischen Verarbeitung sozialer Konflikte charakterisiert. Zum anderen werden angelehnt an Rezeptionen von Gramscis Gesellschaftstheorie die Bedingungen für die Übertragung sozialer Kämpfe in die rechtliche Arena durch kollektive Mobilisierung diskutiert. Daran anschließend stellt sich die Frage, welche Implikationen ebendiese kollektiven Prozesse auf politische Änderungen und soziale Kämpfe haben können.

Dr. Carolina A. Vestena ist Juristin und Politikwissenschaftlerin. Sie forscht zum Recht und zu sozialen Bewegungen aus einer materialistischen und feldtheoretischen Perspektive und befasst sich mit kollektiven Mobilisierungsprozessen, vor allem durch progressive soziale Bewegungen in Brasilien und Portugal.

Die Diskussion im Anschluss an den Vortrag beginnt bei 00:55:15.