Umrisse der Weltcommune und ihre Kritik

Vortrag von Kosmoprolet am Donnerstag, 08.08.2019, 18.30 Uhr

Gegenwärtig sind reaktionäre und autoritäre Kräfte nicht nur weltweit im Aufwind begriffen, Nationalkonservative, Faschisten und Islamisten haben scheinbar die Vorstellung, man könne die Gesellschaft auch angenehmer gestalten, hinfällig gemacht. Während die Vorstellung von einer besseren Welt lange Zeit als zentrale Stärke der Linken galt, begnügen sich emanzipatorische Kräfte heute zumeist damit, Defensivpositionen einzunehmen, breite Bündnisse auszurufen und an sozialdemokratischen Minimalstandards festzuhalten. Doch besteht die richtige Antwort auf die rechte Gefahr wirklich darin, dass radikale Linke sich mit dem liberalen Bürgertum in eine Gemeinschaft des Reformismus retten?

Nein, vielmehr sind gerade jetzt radikale Gegenentwürfe zum Bestehenden an der Zeit. Die Revolten und Aufbrüche der letzten Jahrzehnte blieben in dieser Hinsicht ziemlich blass und kapitulierten davor, den Übergang zu einer wirklich nachkapitalistischen Gesellschaft zu wagen. Dabei spricht einiges dafür, dass die alte Bestimmung des Kommunismus als einer Gesellschaft, in der jede nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen leben und tätig werden kann, brandaktuell ist. Was die Aufhebung des jetzigen Zustands konkret heißt und wie die Welt von morgen aussehen könnte, haben wir in der neuen Ausgabe von Kosmoprolet zu umreißen versucht. Einige der zentralen Fragen, auf die die Kommunarden und Kommunardinnen in den kommenden Aufständen stoßen werden, wollen wir zur Debatte stellen.
Link zum Text: https://kosmoprolet.org/umrisse-der-weltcommune

EX:IN: Aemong + Combobreaker

Musik am Mittwoch, 7.08.2019, 22.00 Uhr

Aemong verkörpern die besten Aspekte des heutigen heruntergekommenen internationalen Undergrounds, ganz allein. Bestehend aus Henrique Uba und Yu-Ching Huang – ursprünglich aus Brasilien bzw. Taiwan – ist Aemongs Sound allem unter der Sonne verpflichtet. Ihr Album 1000 ist ein schattiges Industrie-Pop-Amalgam, das Klischees in Stücke reißt und endlose Nebeneinanderstellungen aufweist. Als Beispiel, direkt im Herzen des Albums, ist „After The Fire“ eine raue, beatlose Minisuite mit Chorgitarren und Basslicks, die das bassige Synthie-Arpeggio mit Ruhe umgibt. Yu-Ching Huang singt himmlische Kim Gordon-isms und Henrique Uba antwortet mit seltsamen Singsprachen und Zufallsstichproben, die an verarbeitete Vogelstimmen und entfernte Autounfälle erinnern. Bei einigen Duos geht es darum, Kompromisse und Ausgewogenheit zu finden, aber Aemong scheint es nur zu erlauben, dass die Ideen von allen Seiten einfließen. (Tristan Bath)

Combobreaker ist das Live-Projekt von R. Kabowski und Brachland. Klingt nach Breakbeat, Industrial, Electro und Experimental. Reingehört werden kann auf Soundcloud.

Soft Grid + Heizkörper

Musik am Samstag, 10.08.2019, 22.00 Uhr

Soft Grid sind keine unbekannten mehr in Chemnitz: Nach einem Auftritt in der Zukunft, im odradek und im lokomov kommen sie nun zur Kantine, um ihre neuen Songs vorzustellen. Mit ihrem zweiten Album »Agency« macht das Berliner Trio Soft Grid dort weiter, wo sie 2016 mit »Corolla« aufgehört hatten. »Agency« ist ein strudelnder Wirbelwind aus kraut-inspirierten Synthesizer-Jams, druckvollen Post-Rock-Dynamiken und als Ganzes völlig losgelöst von jeglichen Einschränkungen der Rock- und Elektronik-Welten, durch die sich die Band gleichermaßen bewegt. Die fünf, jeweils zwischen fünfeinhalb und bis zu elf Minuten langen Stücke transportieren die Energie ihrer gefeierten Konzerte ins Studio und differenzieren den Sound der Gruppe aus. Soft Grid klingen dringlicher, vor allem eindringlicher als zuvor. Ein in Autotune gebadeter Battles-Song, eine schnickschnacklose Animal Collective-Komposition aus der »Merriweather«-Phase oder Electrance und Warpaint während einer fünfstündigen Jam-Session: Zusammengenommen würde all das vielleicht einen durchschnittlichen Soft Grid-Song ergeben – sollte es denn so etwas wie einen durchschnittlichen Soft Grid-Song überhaupt geben.

Den Abend eröffnet die Ukulele-Gitarren-Computer-Punkcombo Heizkörper, die mit Schmackes und Herz den Speisesaal zum Glühen bringen wird.




Akkumulation und Klimafrage

Thesen von Jonas Fischer am Freitag, 09.08.2019, 16.00 Uhr

»Die kapitalistische Produktion ist von Anbeginn in ihren Bewegungsformen und -gesetzen auf die gesamte Erde als Schatzkammer der Produktivkräfte berechnet. In seinem Drange nach Aneignung der Produktivkräfte zu Zwecken der Ausbeutung durchstöbert das Kapital die ganze Welt, verschafft sich Produktionsmittel aus allen Winkeln der Erde, errafft oder erwirbt sie von allen Kulturstufen und Gesellschaftsformen.« – Rosa Luxemburg, Die Akkumulation des Kapitals, S. 307

Rosa Luxemburgs Akkumulationstheorie ist nicht nur eine historisch bedeutende Analyse und Kritik des Imperialismus des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, sie kann uns heute zudem als Lehrstück des historisch-materialistischen Denkens dienen. Auch wenn die Richtigkeit der sachlich-ökonomischen Argumentation Luxemburgs in marxistischen Kreisen bis heute umstritten ist und – wenn auch nicht rege, so doch ohne absehbares Ende – diskutiert wird, liegt ihr Einwand gegen die Marxschen Reproduktionsschemata, der ihr die geballte Wut der marxistischen Dogmatiker bescherte, selbst in der Tradition und Idee des Marxschen Denkens.

Statt marxologische Kopfrechenaufgaben durchzukauen, soll sich der Vortrag auf die methodische Ebene und die politisch-praktischen Implikationen in Luxemburgs Akkumulationstheorie fokussieren, um deren Anwendbarkeit auf die Klimafrage und die heutige ökologische Bewegung zu untersuchen. Denn ähnlich wie Luxemburg die räumliche Grenze kolonialer Eroberungen als Wachstumsgrenze des Kapitalismus thematisierte, erscheint heute die Natur selbst als Grenze im doppelten Sinne: Zum einen sind die Rohstoffressourcen endlich, zum Anderen könnten die unintendierten Folgen des kapitalistisch organisierten Stoffwechselprozesses mit der Natur einen (nahezu) unbewohnbaren Planeten zurücklassen. Mit Luxemburgs Überlegungen soll gezeigt werden, dass die umweltzerstörerische Akkumulation einiger Unternehmen nicht vom kapitalistischen Gesamtzusammenhang der Kapitalreproduktion isoliert werden kann. Eine ökologische Strategie müsste aber genau diesen Gesamtzusammenhang zu ihrem Gegenstand machen, um auf eine Weltgesellschaft hinzuwirken, in der das Verhältnis der Menschen zur Natur erst einer vernünftigen Planung unterstehen könnte.

»Jahrhundertwende«

Essayfilm und Diskussion mit Regisseur Moritz Liewerscheidt am Dienstag, 06.08.2019, 22.00 Uhr

Die Nazis, das sind die Anderen. Nach Jahrzehnten medialer Omnipräsenz der Bilder vom Neonazi als ostdeutschem Verlierertyp mit Glatze und Bomberjacke sticht eine frappierende argumentative Hilflosigkeit gegenüber den rhetorischen Figuren einer aufstrebenden »Neuen Rechten« ins Auge. Worin aber bestand oder besteht noch gleich – jenseits von Klischees und Äußerlichkeiten – jenes »rechte Gedankengut«, dem – wohl in Konsequenz jener Hilflosigkeit – »keine Plattform« geboten werden darf?

»Jahrhundertwende« ist eine filmische Reflexion zum Verhältnis von Aufklärung und Romantik, Spätkapitalismus und (Neo-)Nazismus. In der Konfrontation von Gegenwartsbildern mit historischen Texten des fortschrittsoptimistischen Marxismus des 19. Jahrhunderts und der völkisch-antisemitisch grundierten Fortschrittskritik des frühen 20. Jahrhunderts möchte der Essayfilm noch einmal die Dialektik einer Aufklärung nachvollziehen, die unvollendetes Projekt blieb. Die offene Form des Films, der die Erwartung eines »allwissenden Erzählers« als vermittelnder Instanz gezielt unterläuft, erlaubt unterschiedliche Zugänge und fordert ein kritisches Publikum, das bereit ist, »sich seines eigenen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen«.

Im Anschluss an die Filmvorführung bietet eine Publikumsdiskussion mit dem Regisseur die Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit den vom Film aufgeworfenen Fragen zu vertiefen.
Infos: www.moritzliewerscheidt.de

Krisendynamiken, Landnahmen, Externalisierungen – und mögliche Gegenstrategien

Zur Aktualität von Rosa Luxemburgs Analyseperspektiven und ihren verdeckten Spuren in den Sozialwissenschaften

Vortrag von Tino Heim am Mittwoch, 07.08.2019, 11.00 Uhr

Gedenkadressen zum 100. Todestag würdigen Rosa Luxemburg einmal mehr v.a. als politische Aktivistin und Strategien. Gedacht wird der Kämpferin, der brillanten Agitatorin und Publizistin oder der scharfen Kritikerin – sowohl der Sozialdemokratie als auch des Leninismus. Insofern sie fatalen Weichenstellungen im sozialdemokratischen Rückzug auf systemstabilisierende Reformpolitik wie in den revolutionären Strategien der Bolschewiki früh erkannte, gilt sie immerhin auch als Vordenkerin eines antiautoritären und basisdemokratischen Sozialismus. Hier oder in ihrem konsequenten Internationalismus und der kompromisslosen Haltung gegen den Nationalismus innerhalb proletarischer Bewegungen, bleibt Luxemburg auch als Theoretikerin und Analytikerin in Erinnerung – freilich oft erneut in Verkürzung auf dezidiert politische Überlegungen.

Oft übergangen wird dabei, dass Luxemburg auch eigenständige und substantielle Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte oder zur kapitalistischen Krisentheorie hinterlassen hat, die – trotz mancher strittiger ‚zusammenbruchstheoretischer‘ Engführungen – heute erneut überaus aktuell erscheinen. Die eng mit der Krisentheorie verbundene Imperialismustheorie nimmt zugleich wichtige Themen und Theorietrends vorweg, die in den Sozialwissenschaften erst in den letzten 50 Jahren für Furore sorgten. Neo- und Postmarxistische Theorieströmungen – etwa Weltsystemanalyse und Dependenztheorie – oder auch die Postkolonial-Studies und jüngste soziologischen Zeitdiagnosen zur kapitalistischen ‚Landnahme‘ (K. Dörre) oder zur ‚Externalisierungsgesellschaft‘ (S. Lessenich), sind dabei oft direkt oder indirekt von Luxemburgschen Überlegungen beeinflusst und geprägt.

Der Vortrag stellt ausgehend von einem Input zur historischen und theoriesystematischen Einordnung einige Textauszüge und Zitate von Luxemburg zur Diskussion, um die Aktualität der Analytikerin und Theoretikerin sowie ihren verschütteten und verdeckten Einflüssen in Sozialwissenschaften gemeinsam zu sondieren.

Collagen zum kommunistischen Begehren

Performance am Donnerstag, 08.08.2019, 22.00 Uhr

Ein Abend zum Unterhalten, für den Text-, Video- und Musikschnipsel zu einer Collage zusammengefügt werden.

Vier Bilder lassen wir hier sprechen durch Performen, Lesen und Singen(lassen): Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben; Hoffnung entsteht durch Revolte; Absurd ist, was ist, und nicht zu glauben, dass es anders sein könnte und schließlich: wo ist die Utopie?

Gastgeber*innen dieser außergewöhnlichen Collage sind Janis Walter, Katharina Vitt und Fabian Blunck.

Das Maschinensystem des 21. Jahrhunderts

Vortrag mit Felix Gnisa am Samstag, 10.08.2018, 14.00 Uhr

Können Technologien dabei helfen, den Kapitalismus zu überwinden? Marx hatte darauf große Hoffnungen. Auf der anderen Seite betont er auch die Prägung von Technologien durch den Kapitalismus. Mit dem Begriff der reellen Subsumtion zeichnet er eine pessimistische Diagnose: Der Kapitalismus entwickelt sehr produktive Maschinen – die Arbeiterin wird in der industriellen Produktion aber zu ihrem Anhängsel gemacht, weil sie dem Takt mechanisierter Werkzeuge folgen muss. Das bedeutet Schwierigkeiten für gesellschaftliche Transformation, weil Arbeiterinnen nicht mehr in der Lage sind, Arbeitsprozesse selbst zu kontrollieren.

Neuere marxistische Strömungen wie der Postoperaismus renovieren hingegen den Marx’schen Produktivkraftoptimismus. Sie gehen davon aus, dass Arbeit heute vor allem immateriell ist, wie sie Informationen und Wissen produziert und digitale Technologien keine Herrschaft über diese Art der Arbeit mehr ausüben. Arbeit sei nur noch formell subsumiert, also frei von der Prägung durch kapitalistische Strukturprinzipien.

Anhand digitaler Plattformtechnologien wie Uber, Amazon Mechanical Turk und Facebook soll diese Diagnose diskutiert werden. An den Technologien lässt sich verdeutlichen, dass Produktivität heute tatsächlich wesentlich immateriell ist. Diese Art immaterieller Produktivität mündet aber auch in einer neuen Form technologischer Herrschaft: Der Subsumtion von Kommunikation, in der nicht mehr Werkzeugmaschinen, sondern Informationskreisläufe Kontrolle über Arbeit ausüben. Deswegen ist der Umbau digitaler Technologien nötig, wenn sie Mittel gesellschaftlicher Veränderungen sein sollen. Die Schwierigkeit, die die Marx’schen Ausführungen zum Maschinensystem offenlegen, besteht in der Frage, ob so ein Umbau möglich ist, ohne dass die Effizienz jener Technologien verschenkt wird.

Felix Gnisa aus Leipzig ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Industriesoziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Einführung in Leben und Werk Rosa Luxemburgs

Workshop mit Miriam Pieschke am Dienstag, 06.08.2019, 11.00 Uhr

Rosa Luxemburg gilt vielen linken Menschen als nicht-diskreditierte Ikone der linken Geschichte und Bewegung. Sie steht für einen demokratischen Sozialismus, für ein Verhältnis von „Masse und Führung“ auf Augenhöhe, für eine Vision einer befreiten Gesellschaft. Doch auch wenn heutzutage die meisten wissen, wer Luxemburg war, kennen sie doch oft höchstens Stichworte dazu, welche Standpunkte sie theoretisch und praktisch vertrat. In diesem Workshop soll daher Gelegenheit sein, sich einen ersten Überblick über Luxemburgs Leben und Werk eingebettet in die historischen Ereignisse ihrer Zeit zu verschaffen. Zudem wollen wir an einem Beispieltext kennenlernen, wie Luxemburg argumentierte.

Miriam Pieschke ist Politikwissenschaftlerin und Erwachsenenbildnerin. Sie hat vor ca. 10 Jahren angefangen, sich intensiver mit Rosa Luxemburg zu beschäftigen und gibt seit dem auch immer wieder Seminar zu deren Werk. Aktuell arbeitet sie an der Hochschule Magdeburg-Stendal in einem subjektwissenschaftlichen Forschungsprojekt.

Zum Verhältnis Luxemburgs zu Marx

Vortrag mit Judith Dellheim am Freitag, 09.08.2019, 11.00 Uhr

In meinem Vortrag interessiert, wie Luxemburg Marx las und warum z. B. Georg Lukasz 1923 meinte, dass Luxemburg am meisten im Marxschen „Sinne“ sozialistische Politik weitergedacht, sie „seinem Geiste gemäß“ weiterentwickelt (Lukasz, 1923, 43) habe. Zugleich interessiert, was heute aus Luxemburgs Marx-Lektüre gelernt werden kann bzw. sollte. Um auch Lernprozesse bei Luxemburg zu reflektieren, werden nach einer kurzen Vorstellung ihrer Grundidee drei zeitlich gegliederte Absätze angefügt. Sie illustrieren auch die enorme Vielfalt von Themen, zu denen sich Luxemburg, auf Marx gestützt, geäußert hat und münden in ein kurzes Fazit.

Luxemburg war ständig „dreifach“ bei Marx: nicht „nur“ durch ihre wissenschaftliche Marx-Lektüre, wo sie unentwegt fünf Fragen stellte und zu beantworten suchte: Wann hat Marx was warum gesagt? Inwiefern hat das die konkret-historischen Probleme und Entwicklungen erklärt und wie verliefen diese warum mit welchen Folgen? Hat Marx sich selbst kritisiert – und wenn ja, warum? Wie hat er gearbeitet, so dass in ihm, „der scharfe historische Analytiker und der kühne Revolutionär, der Mann des Gedankens und der Tat, unzertrennlich miteinander verbunden waren, einander unterstützten und ergänzten“ (L. 1915/2000, 31)? Aber Luxemburg, die beiden MEGA-Kollektiven bewundernswert vorausgeeilt war, war nicht „nur“ oder vor allem „Marx-Forscherin“. Sie war auch in der politischen Bildung der Genossinnen und Genossen ständig bei Marx und hat eine sechste Frage gestellt und diskutiert: Was von seinen Arbeiten ist wie für die Theorie und praktische Politik verallgemeinerbar? Und erst recht war die Politikerin Luxemburg ständig bei Marx in ihrer Arbeit an der Strategie und Programmatik sozialistischer Politik wie im politischen Alltag. Hier war sie immer mit der Frage befasst, was sofort, kurz-, mittel- und langfristig getan werden kann und muss, um unter den konkreten gesellschaftspolitischen Bedingungen wie Marx zu handeln – das Maximale zu tun, um die historische Möglichkeit einer sozialistischen Gesellschaft als realisierbare zu erhalten und ihr näher zu kommen, und das auch tun! Ausgehend von den zu ihrer Zeit aktuellen theoretischen und politischen Herausforderungen sozialistischer Politik hat sie Marxsches Heran- und Vorgehen fortgesetzt: Sie hat ein humanistisches Menschenbild, ein darauf basierendes Politikverständnis, ein kritisches Forschen, eine auf selbstbestimmtes Denken und solidarisches Handeln zielende politische Bildung, eine selbstkritische Reflektion und einen Neues ermöglichenden Politikstil als zusammengehörig gelebt. Am 15. Januar 1919 brach mit dem Mord an Luxemburg und dem eingeleiteten Terror eine Art und Weise, mit Marx umzugehen und Politik zu betreiben, ab. Die Tatsache, dass dieser „Ariadnefaden“ noch immer nicht wieder aufgenommen ist und dass das nicht einmal intensiv diskutiert wird, erklärt entscheidend unsere politische Defensive. Nehmen wir also endlich diesen Faden kritisch und vor allem selbstkritisch wieder auf!

Judith Dellheim, Dr., Ökonomin, Referentin der RLS für Solidarische Ökonomie, Mitwirkung in den Gesprächskreisen Parteien und Bewegungen sowie Wirtschaftspolitik.