Dominik Intelmann: Rundgang mit/ohne Gramsci: Chemnitz von hinten

Mittwoch, 03.08, 11:00

Auf dem Stadtrundgang erkunden wir gemeinsam die Rückseiten der Stadt. Uns interessiert dabei das Abseitige, das im Straßengraben gelandet ist: Schlecht vergesellschafteter Realsozialismus; verlorene Arbeitskämpfe der Post-Ost-Zeit; verblasste Hoffnungen des Kapitals und – demgegenüber – die kreative Neuordnung der Stadt seit 2010. Die Konstellation soll greifbar machen, auf welche Weise verschiedenen Klassenfraktionen im lokalen Raum um Handlungsfähigkeit ringen und wie dies den Stadtraum und letztlich das Image der Stadt geformt hat.

Dominik Intelmann lebt in Leipzig und Chemnitz, ist Humangeograph und promoviert zu lokalen Entstehungsbedingungen politischer Hegemonien am Beispiel Leipzigs und Chemnitz.

Start und Ende am Subbotnik, Dauer: 90 Minuten.

Luise Meier: Gramsci und Bogdanow – ein Proletkultklubabend

Dienstag, 02.08, 21:00

Der Proletkult erlebte seine Blütezeit in der Sowjetunion während und nach der Oktoberrevolution, wurde allerdings, nicht zuletzt aufgrund seines Autonomieanspruchs gegenüber der Partei, bereits 1923 mit vorwiegend bürokratischen Mitteln in die Bedeutungslosigkeit gedrängt.

In der Folgezeit und bis heute wird Proletkult oft im Sinne der bürgerlichen Arbeitsteilung und Kunstauffassung missverstanden und auf eine reine Kunstrichtung oder paternalistische Arbeiter*innenbildungsbewegung sozialdemokratischer Prägung reduziert. Lenins beharrliche Polemik gegen Bogdanow, für einen Materialismus der Schule Plechanows und eine Kulturpolitik von oben sorgte außerdem dafür, dass der radikale, revolutionäre und alle gesellschaftlichen Beziehungsformen umbauende Anspruch des Proletkults nachhaltig in Vergessenheit geriet. Für Gramsci und Bogdanow war die Vision einer proletarischen Kultur nichts weniger als der Weg und das Ziel einer Selbsttransformation des Proletariats hin zu einer befreiten Gesellschaft.

Bis heute kramen Forscher*innen in den Archiven auf der Suche nach Hinweisen, ob sich Bogdanow, Begründer des Proletkults, Science-Fiction-Autor und Protokybernetiker und Gramsci je persönlich begegnet sind. Für kommende Proletkultist*innen allerdings ist die entscheidendere Frage, wie wir ihre Strategien mit den Erfahrungen der Geschichte und den Aufgaben der Gegenwart zur revolutionären Maschine verkoppeln. Das Herzstück der Maschine war und bleibt der Abend im Proletkultklub und die kollektive Verdauung in der Kantine…

Luise Meier ist freie Autorin, Theatermacherin, Dramaturgin und Performerin. Zuletzt im Verlag Matthes & Seitz erschienen ist ihr Buch MRX Maschine.

Peter Jehle: Was heißt Philosophie der Praxis?

Dienstag, 02.08, 18:00

Lange glaubte man, Gramsci verwende den Ausdruck »Philosophie der Praxis« als Tarnwort für Marxismus, um die Gefängniszensur hinters Licht zu führen. Das hat sich als falsch herausgestellt. Sichtbar werden konnte das erst, nachdem die vollständige italienische Ausgabe der Gefängnishefte in den 1970er Jahren erschienen war. Nun konnte man nachverfolgen, an welchen Stellen und in welchen Kontexten der Ausdruck auftaucht, welche Bedeutung(en) er annimmt und was damit eigentlich auf dem Spiel steht. Gramsci hat den Ausdruck nicht erfunden, sondern von Antonio Labriola übernommen. Nicht nur das Wort, sondern auch die von Labriola damit zum Ausdruck gebrachte Überzeugung, dass es, ausgehend von Marx, darum gehen muss, eine autonome und kohärente marxistische Philosophie zu erarbeiten. Ohne autonome Weltauffassung, die den für ein Projekt der Gesellschaftsveränderung sich organisierenden Subjekten Orientierung gibt, keine Überwindung von Subalternität.

Peter Jehle ist Privatdozent für Romanische Philologie an der Universität Potsdam und Mitherausgeber der Zeitschrift Das Argument und des Historisch-kritischen Wörterbuchs des Marxismus.

Mike Melzer: »Mit dem zweiten Blick«. Spaziergang durch die Chemnitzer Innenstadt

Dienstag, 02.08, 13:30

Wenn man eine Stadt besucht, was sehen die Besuchenden? Zuerst die »tollen« aufgehübschten Gebäude, am besten mit Historie. Die Geschichten hinter diesen Fassaden werden eher selten erzählt.

Umso mehr gilt dies für Städte wie Chemnitz, alte Proletarierstädte, die zum großen Teil durch die Arbeit, aber auch die Kämpfe der Klassen geprägt wurden und werden. Das Image ist bis heute trist, langweilig, grau, viel Beton. Dass Chemnitz auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken kann, wird sehr selten wahrgenommen.

Dieser Spaziergang will ein bisschen hinter die Gebäude und in die Geschichte blicken, dies aber nicht aus Sicht des Bürgertums, eher aus Sicht derer, die den Reichtum geschaffen haben. Es soll ein bisschen der zweite Blick geübt werden.

Treffpunkt: Karl-Marx-Monument

Ingo Pohn-Lauggas: Vergangenheit und Gegenwart. Zum Begriff der Geschichte

Dienstag, 02.08, 11.00


Geschichte und Geschichtsschreibung sind zentrale Themen bei Gramsci, die sehr unterschiedliche Bereiche miteinander verbinden. Dies reicht von der gewichtigen Auseinandersetzung mit Benedetto Croce und seiner Geschichtsphilosophie, dem Verhältnis also der Philosophie der Praxis zur »ethisch-politischen Geschichte«, bis herunter zu der Frage, welche allgemeine Bedeutung und damit »pädagogische Universalität« die individuelle Lebenserfahrung hat. Letzteres verhandelt Gramsci unter »Vergangenheit und Gegenwart«, eine der manchmal eigentümlich benannten Rubriken, anhand derer er sein Material in den Gefängnisheften sortierte: Häufig erweist sich allein die Tatsache, dass bestimmte Themen, Fundstücke oder Persönlichkeiten einer dieser Rubriken zugeordnet werden, als bedeutsam und lehrreich – und zwar sowohl hinsichtlich des Materialstücks selbst als auch hinsichtlich der Beschaffenheit der Kategorie. Für das Verhältnis von »Vergangenheit und Gegenwart« ist zentral, dass die Gegenwart in den Augen Gramscis »die gesamte Vergangenheit« enthält, und daher kommt uns auch die Aufgabe zu, das, was wir an dieser kritisieren, zu überwinden und dieser bewussten Kritik nicht nur theoretischen, sondern auch politischen Ausdruck zu verleihen. Die biographische Erfahrung wiederum rückt das ins menschliche Wesen eingeschriebene »ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse« (Marx) in den Blick, und der geschichtliche Verlauf die Historiographie – auch die Frage nach den Subalternen »an den Rändern der Geschichte« ist zunächst eine der Geschichtsschreibung.

Ingo Pohn-Lauggas ist Literatur- und Kulturwissenschaftler an der Universität Wien mit zahlreichen Veröffentlichungen zu Antonio Gramsci, u.a. im Historisch-Kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM), an dem er auch als Redakteur mitwirkt. Zurzeit bereitet er eine neue Übersetzung und Ausgabe von Gramscis Schriften zur Südfrage und zu den Subalternen vor.

Gramsci als Kalenderspruch – Rezeptionslinien vom Zweiten Weltkrieg bis heute

Am 27. April 1937, am heutigen Tag vor 85 Jahren, starb der italienische Journalist und marxistische Politiker Antonio Gramsci. Er war bereits elf Jahre in politischer Haft, als ihm krankheitsgeschwächt und fast völlig isoliert von der Außenwelt vom faschistischen Führer, dem Duce, die Freilassung aus dem Gefängnis gewährt wurde. Das Krankenhaus, in das er bereits lange Zeit zuvor verlegt wurde, verließ er allerdings nicht mehr. Seine Freilassung war zynisch, da der einstige Führer der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) schon längst keine Gefahr mehr für seinen ehemaligen Parteigenossen und Renegaten Mussolini darstellte. »Ich bin«, schrieb er bereits 1932 aus dem Gefängnis an seine Schwägerin Tatjana Schucht, »an einen solchen Punkt gelangt, dass meine Widerstandskräfte kurz vor dem Zusammenbruch stehen, ich weiß nicht mit was für Konsequenzen.«

Gramsci hinterließ ein gewaltiges fragmentarisches Werk mit Gedanken und Notizen zur politischen Theorie, der Geschichte, Philosophie, Sprache und Kultur Italiens sowie Überlegungen zu Organisation und Adressaten einer revolutionären Theorie im Marxismus. Die insgesamt 32 Gefängnishefte waren nicht zur Veröffentlichung gedacht und nur erste Vorarbeiten Gramscis. Sie dokumentieren den Versuch einer Reflexion auf die Erfahrung einer gescheiterten proletarischen Revolution und der Machtergreifung des Faschismus in Italien und damit einer kritischen Betrachtung orthodox-marxistischer Theorie insgesamt. Er bezeichnete sie als »bloße Behauptungen«. Und fügte hinzu: »Manche von ihnen könnten bei den weiteren Untersuchungen aufgegeben werden, und womöglich könnte sich die entgegengesetzte Behauptung als die richtige erweisen.«


Neben der Form seines Werkes scheint eine weitere Ursache für die zwar immer wieder enthusiastische, aber doch in weiten Teilen selektive Rezeption seines Werkes eben dessen Vielschichtigkeit zu sein. Die stärkere Betonung der kulturellen und politischen Sphäre in der Gesellschaft gegenüber dem Ökonomischen eignete sich nicht für eine Rezeptionslinie in der DDR. Gramsci wurde zwar als KPI-Führer und Opfer des Faschismus, als Antifaschist, Respekt zuteil, aber seine Arbeiten stießen hingegen auf wenig Interesse. Selbst einige wenige Übersetzungen seiner Texte und Notizen ab den 1980er Jahren konnten die hegemoniale Theorie des »dialektischen Materialismus« (Diamat) nicht herausfordern.

Ein anderes Bild zeigte sich im Westen. Auf allen politischen Seiten schien Gramsci zur Neuausrichtung politischer Strategien und Analysen zu taugen. Ein extremes Beispiel sind die Arbeiten von Alain de Benoist, dem Vordenker der Nouvelle Droite in Frankreich, und dessen Adepten hierzulande, die darauf zielen, den »vorpolitischen Raum« von den »Links- und Neoliberalen« zurückzugewinnen (»Metapolitik«). Aber auch auf linker Seite pickt man sich oft die guten Sprüche zur Gestaltung des eigenen Kalenders aus dem Notizblock Gramscis heraus.

Bereits 1987, in einem Text zum 50. Todestag des Kommunisten, konstatierte Elmar Altvater, Gramscis Werk werde vor allem in der westdeutschen Linken immer nur »gefiltert« wahrgenommen und rezipiert. Beginnend in den 1960er Jahren mit der Herausgabe einer Anthologie (»Philosophie der Praxis«) markierte Christian Riechers Gramsci zwar als heterodoxen und revolutionären Philosophen, der den Voluntarismus im Marxismus betont, entwertete ihn aber implizit als Idealisten und Repräsentanten einer insgesamt gescheiterten italienischen Linken.

Später, mit der aufkommenden 68-Bewegung, kam es erstmals zu einem gewissen Gramsci-Enthusiasmus – verbunden mit Fragen der Organisation und Militanz. Gefiltert durch die realen Klassenkämpfe mit spontanen Streiks und Fabrikbesetzungen in Italien und Frankreich. Gerade Italien zeigt eine wichtige Parallele zu Deutschland, in der sich Gewalt als Mittel der politischen Durchsetzung in Selbstzweck verwandelte und damit desavouierte. Der italienische Operaismus jener Zeit war dezidiert anti-gramscianisch. Die deutsche Linke nahm Gramsci – wenn überhaupt – vor allem über den französischen Strukturalismus wahr, allen voran gefiltert durch Louis Althusser und dessen Überlegungen zu »ideologischen« und »repressiven Staatsapparaten«. Staatsapparate seien in der Funktion Ausdruck von Antagonismen im ökonomischen Unterbau. Doch war Gramsci nicht derjenige, der dem Überbau eine gewisse Eigenständigkeit gegenüber der Basis zubilligte?

Zu guter Letzt waren Teile der Gefängnishefte auch Vehikel allerhand reformorientierter Politik. Als sich Ende der 1970er Jahre viele Debatten zu Fragen der Hegemonie von Organisationen, Institutionen und den dazugehörigen Strategien entspannen, schien ein regelrechtes »Gramsci-Fieber« auszubrechen. Man versprach sich eine langfristige Perspektive auf »eurokommunistische« Reformen hin zum Sozialismus. Selbst die deutsche Sozialdemokratie versuchte sich Mitte der 1980er Jahre und mit dem Beginn einer sogenannten »Konservativen Wende« an einer Strategieänderung mit Bezugnahme auf Gramsci. Man schreckte nicht davor zurück, sich die Begriffe der Leute anzueignen, die man wenig zuvor noch mit Berufsverboten belegte.

Heute tauchen Begriffe wie »Subalterne« oder »Hegemonie« vor allem als Schlagworte einer nicht klar zu umreißenden Theorierichtung auf, die gern mit der Sammelbezeichnung »Cultural Studies« versehen wird, deren Entstehung in Großbritannien stark mit dem Namen Stuart Hall verbunden ist. Gramsci ist dort für die New Left schon länger ein Begriff und Hall hatte für das fragmentarische Werk auch ein gewisses Problembewusstsein: »I do not claim that, in any simple way, Gramsci ›has the answers‹ or ›holds the key‹ to our present troubles. I do believe that we must ›think‹ our problems in a Gramscian way – which is different.« Auch für die Postcolonial Studies hat Gramsci mit seinem non-eurocentric knowledge eine große Bedeutung.

Für alle hier genannten Rezeptionslinien gilt der gleiche Umstand: Weder auf Englisch noch auf Französisch gibt es eine Gesamtausgabe der Gefängnishefte. In Deutschland gibt es die ab Anfang der 1990er vom Argument-Verlag herausgegebene und vom Institut für kritische Theorie (Inkrit) erstellte und sorgfältig editierte »Kritische Gesamtausgabe« orientiert an der italienischen Ausgabe. Reichlich spät für eine lange »erfolgreiche« Rezeptionsgeschichte.

Für einen Kalenderspruch reicht‘s.

Gramsci Lesekreis

Da die Kantine erst im August stattfindet, haben wir einen Lesekreis gegründet, der sich bis dahin mit Gramscis theoretischen Beiträgen befassen soll!

Wir treffen uns einmal im Monat und widmen uns bestimmten Textausschnitten zu Gramsci. Die Texte und Termine werden gemeinsam am Ende jeder Sitzung ausgewählt.

In den ersten Besprechungen ging es um die Begriffe von Organischer Krise und Passiver Revolutionen bei Gramsci.

Im Folgenden erhalt Ihr die wichtigsten Informationen zum Lesekreis:

Wann: Das nächste Treffen findet am 13.04. um 18 Uhr statt. 

Wo: Online via Zoom

Anmeldung: Schreibt uns eine Nachricht bei Facebook: Kantine Festival, Instragram: Kantine »Gramsci« (@kantine_festival) oder per Kontaktformular

Genauere Infos zum Text, zum Ablauf unserer Treffen sowie den Zoom-Link erhaltet ihr via Privatnachricht.

Ankündigung der Kantine »Gramsci« vom 01. bis 07. August 2022

»Wir müssen für zwanzig Jahre verhindern, dass dieses Hirn funktioniert.«

Mit diesen Worten endete 1928 die Anklage des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci. 1891 auf Sardinien geboren, war Gramsci bis zu seiner Verhaftung einer der wichtigsten Vertreter der italienischen Arbeiterbewegung und intellektueller Widersacher des Faschismus unter Benito Mussolini. Dass Gramscis Hirn anders als von den Faschisten erhofft auch noch während seiner Haft „funktionierte“, davon zeugen die während dieser Zeit entstandenen Notizen, die bis heute als Gefängnishefte einen prominenten Platz in der marxistischen Theoriebildung einnehmen.

Jenseits von mechanistischen Ableitungen des gesellschaftlichen “Überbaus” aus der ökonomischen “Basis” entwickelt Gramsci in den Gefängnisheften eine Perspektive auf die Kultur, die Ideenwelt und das politische Leben einer Gesellschaft, die diese in ihren jeweiligen Eigenlogiken und ihren Rückwirkungen auf die kapitalistische Produktionsweise ernst nimmt. Möglich wird so eine präzise und detailreiche Analyse des Alltagslebens, des staatlichen Handelns, der kapitalistischen Krisen und ihrer Bewältigung sowie der verschiedenen Klassen und Interessengruppen in einer Gesellschaft.
Mit seinen Überlegungen zur Hegemonie, zur Erziehung und politischen Führung widmete sich Gramsci außerdem strategischen Fragestellungen und beeinflusst bis heute unterschiedliche linke Strömungen im Nachdenken darüber, wie Veränderung überhaupt möglich ist.

Veränderung war zeitlebens auch Ziel von Gramscis politischem Wirken. Als Student nach Turin gekommen, strebte Gramsci während der sogenannten „roten Jahre“ 1919/20 als Autor verschiedener Zeitungen und Mitglied der Partito Socialista Italiano (PSI) den Aufbau einer kommunistischen Massenbewegung an. Mit der Dritten Internationalen, die sich gegen Sozialdemokratie und Reformismus richtete, spaltete sich wie auch in anderen europäischen Ländern die italienische Linke. Gramsci gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Partito Comunista Italiano (PCI) nach sowjetischem Vorbild, deren Vorsitzender er 1924 werden sollte. 

In dieser Zeit, als die italienische Linke interne Kämpfe austrug, erstarkten die faschistischen Kräfte in Italien. Im Oktober 1922 wurde Benito Mussolini nach dem “Marsch auf Rom” zum Ministerpräsidenten ernannt. Gramsci setzte sich in der Folge mit den Fehlern des linken Lagers und der Schwäche des liberalen Staates auseinander. Im Kampf gegen den Faschismus sah Gramsci nun die dringlichste Aufgabe der Arbeiterklasse. Aufhalten konnte das Mussolini nicht, der spätestens ab 1925 totalitär herrschte. In Folge eines Attentat-Versuchs ein Jahr später ließ er die Oppositionsparteien verbieten und schränkte die Pressefreiheit ein. Mit anderen führenden Köpfen der Linken wurde Antonio Gramsci verhaftet. 1937 starb er an den gesundheitlichen Folgen der Haft.

Auf der Kantine wollen wir uns – 100 Jahre nach dem Marsch auf Rom – nicht nur mit dem zeitgeschichtlichen Kontext auseinandersetzen, in dem Gramsci gewirkt hat. Abseits von stichwortartigen Bezügen werden wir uns mit allen Interessierten eine Woche Zeit nehmen, um einen Zugang zu Gramscis Werk zu entwickeln. Wir werden auf dessen weit verzweigte Rezeptionsgeschichte blicken und wollen sein Denken auch als Werkzeug zum Verständnis der Gegenwart und der Möglichkeiten von emanzipatorischem Handeln heute diskutieren.

Achtung: Programmänderung heute

Heute gibt es einen Programmtausch: Die Lesung „Flexen“ von Mia Göhring & Sibylla Vričić Hausmann findet 11 Uhr statt, 14 Uhr hält dann Elfriede Müller den Vortrag „Die Neue Frau und das revolutionäre Selbst nach der Russischen Revolution“.