Achtung: Programmänderung heute

Heute gibt es einen Programmtausch: Die Lesung „Flexen“ von Mia Göhring & Sibylla Vričić Hausmann findet 11 Uhr statt, 14 Uhr hält dann Elfriede Müller den Vortrag „Die Neue Frau und das revolutionäre Selbst nach der Russischen Revolution“.

Das Geschlechterverhältnis in der anarchistischen Pädagogik am Beispiel von Louise Michel, Emma Goldman, Syndikalistischem Frauenbund und Mujeres Libres

Alexandra Opak

Dienstag, 24.08., 15:30 Uhr

Eine Auseinandersetzung mit dem Geschlechterverhältnis in der anarchistischen Pädagogik von 1850 bis 1939 verdeutlicht die starke Verbindung des modernen Anarchismus zur Aufklärung. Obwohl ihre realpolitische Wirkung geringer ausfiel, transzendierten Anarchistinnen in ihrer Kritik des kontemporären bürgerlichen Feminismus dessen
theoretischen Horizont. Libertäre Pädagogik sahen sie dabei als nützliches Mittel, um Prozesse vergeschlechtlichter Sozialisation und Arbeitsteilung zu wandeln. Louise Michel, Emma Goldman, der Syndikalistische Frauenbund und die Mujeres Libres übten nicht nur Kritik am Androzentrismus ihrer Genossen und der patriarchalen Gesellschaft ihrer Zeit, sondern versuchten anarchistische Utopien einem gesamtgesellschaftlichen Umbruch vorweg zu nehmen.

Aus Perspektive der historischen Bildungsforschung wird die libertäre Pädagogik zunächst in Verhältnis zu verschiednen anarchistischen und reformpädagogischen Strömungen gesetzt, um anschließend die konkreten
Projekte und Themenschwerpunkte ausgewählter Akteurinnen vorzustellen.


Alexandra Opak ist Erziehungswissenchaftlerin aus Köln. Sie sucht Möglichkeiten politischer Bildung entgegen polarisierender Betroffenheitsethik und hofft sich in der Diskussion ihrer Vorträge einem Verständnis der philosophischen Theorien hinter grundlegenden Konflikten im Feminismus weiter anzunähern. Sie arbeitet aktuell zu
bildungsphilosophischen Perspektiven auf den deutschen Sonderweg, zum Antisemitismus in Feminismus und Intersektionalitätsforschung, sowie zur Verwechslung von sozio-kultureller Verortung und politischem Standpunkt
des Subjekts in identitätspolitischen Erkenntniskritiken.

Hygienekonzept für die Kantine »de Pizan« wegen SARS-COV-2

Liebe Teilnehmer*innen,

um das Infektionsrisiko zu minimieren und trotzdem eine angenehme Durchführung der Kantine zu ermöglichen, hat sich das Team auf einige Punkte bezüglich der Hygienemaßnahmen geeinigt.

Bitte beachtet bei Eurer Anwesenheit folgende Hinweise:

  • Zugang zum Gelände erfolgt anhand der 3G-Regelung: Geimpfte und Genesene erhalten mit Impf- oder Genesungsnachweis Zugang zum Festival. Ungeimpfte Personen müssen einen tagesaktuellen Antigen-Schnelltest vorweisen. Wir empfehlen dennoch allen Geimpften und Genesenen, sich, wenn möglich, vorher testen zu lassen. Testzentren in der Nähe findet ihr am Ende der Seite.
  • Bitte hinterlasst Eure Kontaktdaten am Einlass (z.B. via Corona-App, Luca-App). Damit kann im Falle eines Ausbruchs die Infektionskette nachverfolgt werden. Eure Daten werden sicher aufbewahrt und drei Wochen nach der Veranstaltung ordnungsgemäß vernichtet.
  • Innerhalb des Gebäudes ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes Pflicht. Bitte achtet auf einen Abstand von 1,50 m innerhalb des Gebäudes sowie auf dem Gelände. Im Freien ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen, wenn der Abstand von 1,50 m nicht eingehalten werden kann.
  • Überall auf dem Gelände stehen Desinfektionsmittel bereit. Bitte nutzt diese regelmäßig, vor allem nach Nutzung der Sanitäranlagen und nach dem Essen.
  • Innerhalb des Gebäudes gilt ein Einbahnstraßensystem, das heißt, es gibt Hinweisschilder an den jeweiligen Ein- und Ausgängen. Bitte haltet Euch an die Richtungsanweisungen.
  • Bei Fragen stehen Euch jeden Tag Ansprechpersonen vor Ort zur Verfügung. Diese erkennt ihr an den T-Shirts mit dem Schriftzug „Kantine De Pizan“.
  • Solltet Ihr Symptome bei Euch feststellen, bitten wir Euch darum, Zuhause zu bleiben. Solltet ihr positiv auf Covid-19 getestet werden, informiert uns bitte umgehend (z.B. via E-Mail an kontakt@kantine-festival.org).

Vielen Dank. Wir wünschen Euch viel Spaß auf der Kantine »de Pizan«!

Eure Kantine Crew

Testzentren in der Nähe (Auswahl):

AnbieterAnschriftTestzeitenTermin-vergabe notwen-dig?Homepage
Team Feel Good BE.SAFE Test GmbH in der Galerie Roter TurmAm Neumarkt 2, 09111 ChemnitzMo – Sa 9.30 bis 16.30 Uhrneinwww.besafe-coronatest.de
easyApotheke Chemnitz-City Testcontainer vor der ApothekeStr. der Nationen 12, 09111 ChemnitzMo – Fr 8 bis 15 Uhr
Sa 9 bis 15 Uhr
nein
Corona-Ambulanz der Kassenärztlichen VereinigungHermann-Pöge-Straße 6, 09120 ChemnitzMo – Fr 15 bis 19 Uhr
Sa, So, FT 9 bis 13 Uhr
neinwww.kvs-sachsen.de
Modl Medical GmbH Teststelle JacobikirchplatzJakobikirchplatz, 09111 ChemnitzMo – Fr 9 bis 17 Uhr
Sa 9 bis 16 Uhr
So 11 bis 16 Uhr
neinhttps://www.sicher-offen.com/
Kwikktest. Corona TestZentrumSüdbahnstraße 14, 09111 ChemnitzMo – Fr 10 bis 18 Uhr
Sa 10 bis 14 Uhr
nein

Lesung: „Die Lage des Kindes in Rußland“

Ganzer Titel: „Die Lage des Kindes in Rußland“ Emma Goldman über einen fehlgeschlagenen Versuch & Infowand über Theorie und Praxis anarchistischer Pädagoginnen von 1850 bis 1939

Alexandra Opak

Freitag, 27.08., 14:00 Uhr

Eine Auseinandersetzung mit dem Geschlechterverhältnis in der
anarchistischen Pädagogik von 1850 bis 1939 verdeutlicht die starke
Verbindung des modernen Anarchismus zur Aufklärung, welche im
postmodernen Anarchismus zunehmend schwindet. Obwohl ihre realpolitische
Wirkung geringer ausfiel, transzendierten Anarchistinnen in ihrer Kritik
des kontemporären bürgerlichen Feminismus dessen theoretischen Horizont.
Libertäre Pädagogik sahen sie dabei als nützliches Mittel, um Prozesse
vergeschlechtlichter Sozialisation und Arbeitsteilung zu wandeln. Louise
Michel, Emma Goldman, der Syndikalistische Frauenbund und die Mujeres
Libres übten nicht nur Kritik am Androzentrismus ihrer Genossen und der
patriarchalen Gesellschaft ihrer Zeit, sondern versuchten anarchistische
Utopien einem gesamtgesellschaftlichen Umbruch vorweg zu nehmen.

Während die libertäre Pädagogik im vormarxistischen Sozialismus des
frühen 19.Jahrhunderts verwurzelt ist, verdeutlicht Emma Goldmans
Bericht über die Lage des Kindes in der russischen Revolution deutliche
Unterschiede zwischen späteren anarchistischen und sozialistischen
Versuchen der pädagogischen Praxis. Eine der Differenzen zwischen
entfernt verwandter anarchistischer, sozialistischer und bürgerlicher
Reformpädagogik ist die Frage nach hierarchischer Organisation. Die
Lesung aus ‚Emma Goldman: Die Ursachen des Niederganges der russischen
Revolution. Berlin: Der Syndikalist (1922)‘ wird begleitet durch eine
Infowand über die Theorie und Praxis anarchistischer Pädagogik, welche
während des gesamten Festivals zugänglich ist.

Alexandra Opak ist Erziehungswissenchaftlerin aus Köln. Sie sucht
Möglichkeiten politischer Bildung entgegen polarisierender
Betroffenheitsethik und hofft sich in der Diskussion ihrer Vorträge
einem Verständnis der philosophischen Theorien hinter grundlegenden
Konflikten im Feminismus weiter anzunähern. Sie arbeitet aktuell zu
bildungsphilosophischen Perspektiven auf den deutschen Sonderweg, zum
Antisemitismus in Feminismus und Intersektionalitätsforschung, sowie zur
Verwechslung von sozio-kultureller Verortung und politischem Standpunkt
des Subjekts in identitätspolitischen Erkenntniskritiken.

Live-Hörspiel: … im musikalischen Dialog mit Thomas Brasch

Masha Qrella

Dienstag, 24.08., 21:00 Uhr

„Wer sind wir eigentlich noch?“, fragte der Schriftsteller Thomas Brasch, und Masha Qrella singt diese Zeilen. Sie und ihre Mitmusikerinnen machen Braschs Lyrik zu Songtexten. Im musikalischen Zwiegespräch folgen sie seinem Beispiel, sich mit der Welt und der eigenen Existenz in ihr auseinanderzusetzen. In Versatzstücken aus Interviews, Gedichten, Materialskizzen und Proberaum-Mitschnitten entsteht ein musikalisches Hörspiel, das von der Einsamkeit als politischem Moment erzählt und zugleich vom fortwährenden Versuch, sich Vereinnahmungen zu entziehen.

Einmal heißt es: „Die Arbeit ist auch ein Mittel geworden, im Zeitalter der Automatisierung seine Zeit zu verbringen. (…) Mich interessiert ein arbeitsloses Land, durch das zwei Frauen reisen.“

Das Hörspiel legt einen Arbeitsprozess offen, der versucht, „das Ungeheuerliche erst mal zu denken“ und den Raum zu schaffen, den Thomas Brasch als „Bleiben wo ich nie gewesen bin“ herbeigesehnt hat.

Querelle de femmes – eine Frage der Frauen; Eine bissige Kontroverse über Geschlechterbeziehungen vom Mittelalter in die Neuzeit

Nadja Bennewitz

Dienstag, 24.08., 11:00 Uhr

„Uns erscheint die Sitte perfekt, den Frauen wie Männern ehrende Nachreden zu halten.“ Plutarch untergrub mit dieser Ansicht das antike Diktum, die beste Frau sei die, von der man nicht spreche. Mit ihm begann eine Tradition der Frauengeschichtsschreibung, die in Europa von gelehrten Philosophinnen und Schriftstellerinnen des ausgehenden Mittelalters und der Renaissance wie Christine de Pizan erneut aufgegriffen wurde. Sie ermächtigten sich selbst, gegen die christliche Überlieferung aufzubegehren, wonach die Urmutter Eva die Hauptlast des Sündenfalls trage, so die Venezianerin Moderata Fonte 1599: „Eva handelte in guter Absicht, aber Adam aß den Apfel aus Gier. Man kann sagen, Gott hat erst Adams wegen eingegriffen.“

Die „querelle de femmes“ war eine Diskussion mit gesellschaftspolitischer Brisanz über das Wesen von Frauen und Männern, die weit in das 14. und 15. Jh. zurückreicht und somit keineswegs nur eine Fragestellung der Moderne ist. Als „Geschlechterstreit“ bekannt geworden, ging es um den Wert und die Würde der Frauen und um die Verteilung von Macht und darum, ob die Geschlechter gleich oder nur gleichwertig seien.

Nadja Bennewitz, Historikerin M.A.  arbeitet seit 1996 selbstständig in der Erforschung und Vermittlung historischer Frauen- und Geschlechtergeschichte (Schwerpunkte: Spätmittelalter/Renaissance/Reformation und 19./20. Jahrhundert). Veröffentlichungen  Ausstellungen  Audiobooks und mediale Konzepte, Konzeption und Durchführung von Frauenstudienreisen nach Italien (VenedigRom  Marken), Audioguides (ErlangenNürnberg) , monatliche Radiosendung „Zwischenfälle. Von der beunruhigenden Aktualität der Vergangenheit“ auf dem freien Radiosender Nürnberg Radio Z. Seit 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Konzert: Power Plush & Wrackspurts

Das ist zwar nicht Seattle hier, aber mit den Wrackspurts klingt es ein bisschen so. Melodische, ruhige Gitarrenriffs explodieren regelmäßig in der Overdrive-Mühle, nebenbei lädt der Gesang zum Sing-Along ein.

Das Chemnitzer Quartett Power Plush trumpft sich mit ihrem Indiepop direkt in eure Herzen. Dialektische Bewegungen zwischen Flausch und Knall für den tanz- und kuschelwütigen Theoriefan.

Vortrag: What would it mean to win?

Bini Adamczak

Samstag, 28.08., 18:00 Uhr

Das Bilderverbot ist erledigt. Die Behauptung, eine utopische Vision, das Ausmalen einer besseren Welt also, führe in den Totalitarismus, weil es die herrschaftlichen Bedingungen der Gegenwart in die Zukunft projiziere, lässt sich nicht halten. Erstens sind es gerade die Fragen der Gegenwart, die die Utopie beantworten soll, zweitens handelt es sich bei utopischen Entwürfen nicht um Vorschriften, sondern um Vorschläge und drittens kann ein transparenter utopischer Diskurs dem Autoritarismus entgegenarbeiten, indem er eine kollektive Reflexion über Ziele und Wege ermöglicht. This being said, lässt sich die Frage stellen: Wie sähe eigentlich eine Welt aus, in der die Forderungen nach geschlechterpolitischer und sexualpolitischer Emanzipation erfüllt wären?

Bini Adamczak lebt in Berlin und ist Teil der jour fixe Initiative. Sie ist die Autorin von “Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende.” (2017) und “Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom womöglichen Gelingen der Russischen Revolution.” (2017).