Musik: supaKC / noisy answer & surreal multitool

Samstag, 29.08., 21:00 Uhr

Am Samstag gibt es ein Outdoor-Musikprogramm mit zwei Acts, auf die wir uns sehr freuen.

supaKC ist Leipziger DJ & Produzentin. Als supaKC spielt sie auch live, gibt DJ-und Musikproduktionsworkshops und ist gerade dabei ein kleines Digitallabel mit Namen »Graveyard Records« zu gründen. In ihrem aktuellen Liveset verwebt supaKC die Leichtigkeit von Italopop mit sphärischen Klängen skandinavischer elektronischer Musik und Einflüssen aus Darkwave und Experimental.

Für Surreal Multitool ist elektronische Musik vorallem eins: Ein riesiges Spielfeld aus vielen verschieden Genre, die immer wieder auseinandergenommen, vermischt und neu erfunden werden wollen. Dabei finden sich Elemente von House, Techno, Electro, aber auch Wave, Trip-Hop oder Disco wieder. Denn eins wollen die Nicht-So-Ganz-Wahl-Chemnitzer*innen sicher nicht: sich einen Stempel aufdrücken lassen. Mit tanzbaren Beats und punkigen Texten verabschieden die beiden euch in Nachkantinezeit!

Feature und Gespräch: »Uraltes Hafengeschwätz«. Walter Benjamins Passagen durch Marseille

Johanna Tirnthal

Freitag, 28.08., 15:30 Uhr

1940, als die Deutschen den Norden Frankreichs besetzten, trafen Geflüchtete aus ganz Europa in Marseille zusammen. Walter Benjamin versuchte von hier auf dem Landweg nach Spanien zu gelangen und nahm sich im Grenzort Portbou das Leben. Von seinen letzten Tagen in der französischen Hafenstadt sind zahlreiche Anekdoten überliefert, er traf hier viele alte Bekannte: Hannah Arendt, Siegfried Kracauer, Anna Seghers und den österreichischen Schriftsteller Soma Morgenstern.
Benjamin war 1940 nicht zum ersten Mal in Marseille – auch als junger Mann hatte er die französische Hafenstadt besucht, 1926 und 1928. Damals aß er Haschisch, flanierte durch die engen Gassen und über die Boulevards, beobachtete das Treiben in den Hafenkneipen. Seine Eindrücke hielt er in einem »Städtebild«, in »Haschisch in Marseille« und der Novelle »Myslowitz-Braunschweig-Marseille« fest.
»Uraltes Hafengeschwätz« ist ein 38-minütiges Radiofeature, das sich auf die Spuren von Benjamins sehr unterschiedlichen Marseille-Besuchen begibt. Es nimmt mit in die Klanglandschaft der französischen Hafenstadt, hin- und hergerissen zwischen leichtfüßigen Haschisch-Momenten und der bedrohlichen Atmosphäre von 1940. Die Protagonist*innen: Das französische Musikerpaar »Catherine Vincent« beschäftigt sich heute mit Benjamins Marseille-Texten, arbeitet an einem Benjamin-Album und wandelt mit einer Schulklasse auf den Spuren von »Myslowitz-Braunschweig-Marseille« durch die Banlieues. Der Videokünstler Renaud Vercey erklärt Benjamins Wege durch das Stadtzentrum. Und Erdmut Wizisla, der Leiter des Berliner Walter-Benjamin-Archivs, erzählt vom großen Rätsel der Benjamin-Forschung: Dem Koffer (mit Texten?), den Benjamin in Marseille bei sich hatte und der nach seinem Suizid verloren ging.
»Uraltes Hafengeschwätz« wird am 22.9.2020 um 16.05 in der Reihe »Tonspuren« im österreichischen Kultur-Radiosender Ö1 gesendet. Bei der Kantine »Benjamin« stellt die Autorin das nun fast abgeschlossene Projekt vor, erzählt von ihren Recherchen in Marseille und lädt ein, gemeinsam Benjamins Haschisch-Texte zu erkunden.

Johanna Tirnthal ist freie Radio-Autorin und Kulturwissenschaftlerin. Sie pendelt zwischen Berlin und Wien und arbeitet hauptsächlich für Deutschlandfunk Kultur und Ö1. Ihre Lieblingsthemen findet sie da, wo Philosophie, Literatur und soziale Bewegungen einander guten Morgen sagen. Studiert hat sie Filmwissenschaft, Geschichte und Kulturwissenschaft in Berlin und Lissabon. Sie unterrichtet außerdem Radio.

Buchvorstellung: Echo im Sprachwald. Figuren dialektischen Hörens bei Walter Benjamin

Martin Mettin

Donnerstag, 27.08., 11:00 Uhr

In den Kultur- und Geisteswissenschaften hat sich die Sicht auf Walter Benjamin als einem Denker des Sehens etabliert. Nicht nur gelten seine Texte zu Film und Fotografie als Vorläufer der Medientheorie. Vor allem Benjamins Methode, in Bildern zu denken, ist oftmals als ein Primat der optischen Erfahrung in seinen Schriften gedeutet worden. Was jedoch geschieht, wenn man diese Hauptwege der Rezeption verlässt und den Spuren der weitaus weniger beachteten Klänge und Geräusche in Benjamins Texten nachforscht? Was zeichnet sich ab, wenn akustische Denkfiguren ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken?

Diesen Lektüreversuch unternimmt Martin Mettin mit seinem Buch. Im Mittelpunkt stehen auch hier Überlegungen zum dialektischen Bild, das allerdings variierende Bedeutung im Sinne von Sprach- und Klangbildern annimmt. Als zentrales Motiv erweist sich dabei das Echo: In dieser literarischen Denkfigur verbindet sich Sprachphilosophie mit Reflexionen über Erfahrungsarmut und den gewaltförmigen Verlauf von Geschichte.

Martin Mettin ist Philosoph und Autor mit einer Leidenschaft fürs Hören. Er lehrt und forscht als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ausbildungsinstitut für Humanistische Lebenskunde in Berlin.

Vortrag: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit: Benjamins Manifest über die Politik der Massenkultur

Jochen Schmon

Freitag, 28.08., 11 Uhr

„»Fiat ars – pereat mundus« sagt der Faschismus und erwartet die künstlerische Befriedigung der von der Technik veränderten Sinneswahrnehmung, wie Marinetti bekennt, vom Kriege. Das ist offenbar die Vollendung des l’art pour l’art. Die Menschheit, die einst bei Homer ein Schauobjekt für die Olympischen Götter war, ist es nun für sich selbst geworden. Ihre Selbstentfremdung hat jenen Grad erreicht, der sie ihre eigene Vernichtung als ästhetischen Genuß ersten Ranges erleben läßt. So steht es um die Ästhetisierung der Politik, welche der Faschismus betreibt. Der Kommunismus antwortet ihm mit der Politisierung der Kunst.

Aus dem Pariser Exil veröffentlicht Benjamin 1936 seinen berühmt gewordenen Aufsatz über Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Durch Marx sei die industrielle Revolution des Kapitalismus im Bereich der ökonomischen Produktionsbedingungen, so Benjamin in seinem Vorwort, längst erkannt und analysiert worden. Es ist die historische Etablierung einer seriell produzierenden Reproduktionstechnik, die es erstmalig erlaubt, in massenhaftem Umfang standardisierte Produkte herzustellen – und zwar in einer Weise, die immer weniger von der Arbeitskraft des Einzelnen sowie dessen individueller Expertise abhängig ist. Allerdings jedoch seien die gesellschaftlichen Transformationsprozesse, die sich durch die Etablierung dieser Reproduktionstechnologien über das Ökonomische hinaus auch „auf allen Kulturgebieten“ eingestellt haben, noch kaum ins Bewusstsein getreten: die fortschreitende Etablierung der Photographie- und Filmtechnik zu den entscheidenden Mitteln massenmedialer Kommunikation. Es ist das Bild, das von nun an das Bewusstsein der Massen in überragendem Maße prägen sollte. Wie Benjamin jedoch an selbiger Stelle bemerkt, besteht das wesentliche Thema seiner Abhandlung weit über eine rein historisch-deskriptive Analyse hinaus darin – dem Vorbild Marx’ folgend – aus jenen kultur-gesellschaftlichen Veränderungen heraus Begriffe und ästhetische Konzepte ausfindig zu machen, die für„die Zwecke des Faschismus vollkommen unbrauchbar sind“ und gerade deshalb„zur Formulierung revolutionärer Forderungen in der Kunstpolitik brauchbar“ sein müssen. Die Kunst berge nicht nur das Potenzial, sondern sie soll explizit dazu beitragen, die gesellschaftlichen Produktions- und Reproduktionsverhältnisse radikal umzuwälzen, sie soll zur Waffe im Kampf gegen den Faschismus werden – und zwar gerade deshalb, weil ihr vor dem historischen Hintergrund der Etablierung der Reproduktionstechnik zum gesellschaftlichen Massenmedium die ausgezeichnete Rolle zufalle, Massen formieren zu können.

Diesem Versuch einer ästhetischen Neuformulierung eines revolutionären Manifests für das 20. Jahrhundert, wie sie Benjamin in seinem Kunstwerk-Aufsatz erprobte, soll sich dieser Vortrag widmen: „Die Massen haben ein Recht auf Veränderung der Eigentumsverhältnisse; der Faschismus sucht ihnen einen Ausdruck in deren Konservierung zu geben.“

Jochen Schmon hat in München, Berlin und New York Soziologie und Politikwissenschaft studiert und sich in seiner kürzlich abgeschlossenen Masterarbeit mit der politischen Ästhetik Benjamins und Adornos beschäftigt. Als Theoriekurator arbeitet er am Berliner Literaturforum im Brecht-Haus. Im Herbst beginnt er sein Promotionsstudium am Politics Department der New School for Social Research in New York.

Lesung über das Utopische in der „ERFAHRUNG“

Mit Katharina Zimmerhackl und Anne Hofmann von outside the box

Donnerstag, 27.08, 21:00 Uhr

„Wir erfahren den Gegensatz zwischen dem, was sein könnte, und dem, was ist.“

Erfahrung – ist das, als unmittelbar Gegenwärtiges und Alltägliches, nicht das Gegenteil von Utopie? Benjamins erkenntnisleitende Fragestellung, wie sich aus einem verkümmerten Erfahrungsvermögen authentische Erfahrung gewinnen lässt und im Fortgang, welches Potential und welche Schwierigkeiten sie bereithält, lässt die Redakteurinnen der _outside the box – Zeitschrift für feministische Gesellschaftskritik _ in ihrer Lesung aus der aktuellen Ausgabe #7 Antworten auf diese und darin enthaltene Fragen suchen und einen aktualisierenden Blick werfen. Eine (utopische?) _ERFAHRUNG_, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

FILM: „Who killed Walter Benjamin“

David Mauas, 2005

Montag, 25.08. 21:00 Uhr

Portbou, 25. September 1940. In einem verzweifelten Versuch dem Naziregime zu entkommen, überquert Walter Benjamin nach sieben Jahren im Exil die Pyrenäen.

Laut offizieller Darstellung überquert Walter Benjamin die spanisch-französische Grenze und erreicht den katalanischen Grenzort Portbou. Eine geänderte Gesetzgebung verbietet ihm jedoch die Weiterreise durch Spanien. Benjamin sieht sich gezwungen, in einer örtlichen Pension zu übernachten – unter der strengen Bewachung dreier Polizisten, die den Befehl erhalten haben, ihn am nächsten Morgen wieder nach Frankreich zu deportieren.
In völliger Verzweiflung nimmt Benjamin eine Überdosis Morphium, die 24 Stunden später zu seinem Tod führt. Während seine Freunde von einem Selbstmord ausgehen, attestiert der örtliche Arzt eine natürliche Todesursache.
Benjamin wird schließlich nach katholischem Ritus und unter falschem Namen in Portbou beerdigt.

Hat der Arzt bewusst die wahre Todesursache verheimlicht? Hat es wirklich eine Änderung in der Gesetzgebung gegeben? War den spanischen Behörden die Identität des „fremden Reisenden“ bekannt? Wusste Benjamin, dass Portbou unter dem Einfluss von Frankisten stand, die auch mit Offizieren der Gestapo kollaborierten?

„Die entscheidende Frage, die der Film des Regisseurs David Mauas aufwirft, `Wer hat Walter Benjamin getötet?‘, ist am Ende keineswegs beantwortet. Eigentlich müsste man sagen, dass sie offener denn je ist, und irgendwie ist das sogar das spannendere Ergebnis, wo sich alle Welt auf die Variante geeinigt hat, Walter Benjamin habe Selbstmord begangen. Für den Argentinier David Mauas, der in Jerusalem Fotografie und Video-Kunst studiert hat und der seit acht Jahren in Barcelona lebt, war es zunächst nur die räumliche Nähe zum Grenzort Port Bou, wo sich der Tod des Denkers ereignete, die ihn an diesem Stoff faszinierte.

`Was mich dann als erstes interessiert hat, war das Potential dieser Geschichte für einen kriminalistischen Film über Benjamin. Er selbst war ein begeisterter Leser von Kriminalliteratur, das wird oft vergessen. Und Benjamin war Erzähler, Reisender, Beobachter. Und ich sagte mir, sollte ich nicht nach Port Bou gehen und in diesem Sinn einen Film machen? Nicht mit den Augen Benjamins – das hätte ich anmaßend gefunden –, sondern mit meinen Augen. Aber sehr wohl mit den Gedanken bei den Texten Benjamins, die ich gelesen habe.‘

[…] Diese filmische Recherche kreist um die Frage, ob man wusste, wer dieser Flüchtling war und ob hinter seinem Tod nicht das Zusammenspiel von Gestapo und Franco-Behörden gestanden haben könnte. Eine wirkliche Antwort wird es wohl nie geben, allein deshalb, weil alle direkt Beteiligten tot sind. Und doch ist dieser Film ein Ereignis, denn er beleuchtet, wie der rätselhafte Tod eines deutschen Denkers einen kleinen Ort in den katalanischen Pyrenäen zum Kreuzungspunkt europäischer Geschichte machte.“ (Gregor Ziolkowski, Deutschlandfunk, 2005)

Vortrag: Der Ausnahmezustand bei Walter Benjamin

Manuel Disegni

Mittwoch, 26.08., 15:30 Uhr

„Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der ‘Ausnahmezustand’, in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht. Dann wird uns als unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands vor Augen stehen; und dadurch wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus sich verbessern“.

Tradition der Unterdrückten meint hier: historischer Materialismus. Es wird dargelegt, wie Benjamin die wissenschaftliche Methode von Marx versteht und warum er denkt, dass sie über die Natur des Ausnahmezustands belehren kann. ‘Ausnahmezustand’ meint hier: eine ganz gewöhnliche Form von Gewalt. Um die Bedeutung der Anführungsstriche zu erläutern wird auf die Kritik an Carl Schmitts Definition des Souvärens („wer über den Ausnahmezustand entscheidet“) eingegangen, die Benjamin im Aufsatz „Zur Kritik der Gewalt“ übt.

Was ein wirklicher Ausnahmezustand sein soll ist die zentrale Frage von Benjamins geschichtsphilosophischer Revolutionstheorie, bzw. von seinem Versuch, Marx´ Programm für das 20. Jahrhundert zu aktualisieren. Inwiefern dieser Versuch „unsere“ Position im Kampf gegen den Faschismus verbessern kann, darüber gilt es auch im 21. Jahrhundert zu diskutieren.

Manuel Disegni hat in Berlin studiert und sich dabei hauptsächlich mit Walter Benjamins Philosophie beschäftigt. Jetzt promoviert er an der Universität Turin über Marx und den Antisemitismus.

Vortrag: In den Straßen von Paris und Berlin – Walter Benjamin, Franz Hessel und die Figur des Flaneurs

Jenny Jung

Donnerstag, 27.08., 18:30 Uhr

Der Vortrag geht mit dem »Flaneur« einer zentralen Figur in Walter Benjamins Werk nach und spürt dabei den biografischen Bezügen sowie der Bedeutung der Figur im Kontext seiner Geschichtsphilosophie und seines chef-d’œuvre, dem Passagen-Werk, nach.
Eine der prägenden Personen für Benjamin war Franz Hessel, den er in Anlehnung an Louis Aragon als „Bauer von Berlin“ bezeichnete und mit dem ihn nicht nur biografische Gemeinsamkeiten verbanden. Ihre Freundschaft hinterließ tiefe Spuren in Benjamins Schaffen und war eng mit seinem Erleben von Paris – der Hauptstadt des 19. Jahrhunderts – und der Figur des Flaneurs verbunden. Gemeinsam arbeiteten sie an einer Übersetzung Marcel Prousts und verbrachten, noch vor dem erzwungenen Aufenthalt, viel Zeit in Paris. Wichtiger ist allerdings, dass Benjamin bei Hessel den Blick für die alltägliche Wirklichkeit der Großstadt erlernte. Hessels Credo »Nur was uns anschaut, sehen wir. Wir können nur –, wofür wir nichts können.« wurde für Benjamin die Basis der Philosophie des Flaneurs. Die Erfahrungsweise dieser Figur machte für Benjamin die tiefgreifenden Veränderungen sichtbar, die sich am Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung insbesondere an den Pariser Passagen, als dem architektonischen Kernstück des 19. Jahrhunderts, zeigten. Gebunden an diese Architektur, begriff Benjamin den Flaneur als die Existenz auf der Schwelle, die sich sozialgeschichtlich zwischen dem außerdienst-gestellten Aristokrat, der seine Zeit allein mit dem Zurschaustellen der eigenen Person verbrachte, und dem Sandwichmann, der all seine Zeit mit der Veräußerung seiner Arbeitskraft in den Straßen der Großstädte verbringen musste. Dieses einschneidende Moment der Veränderung, hatte für Benjamin nicht nur Konsequenzen für die Möglichkeit von Erfahrung und die Wahrnehmung der Welt, sondern ließ sich letztlich auch auf die Frage der Kunst und die Folgen ihrer Reproduzierbarkeit beziehen. Warum der melancholische Blick auf diesen Umschlagpunkt der Geschichte für Benjamin dennoch Rettung versprach, soll im Vortrag nachgegangen werden.

Jenny Jung ist freie Ausstellungskuratorin und studierte Politische Theorie in Frankfurt am Main und Darmstadt, sowie in Beer Sheva, Istanbul und Konstanz. Sie beschäftigt sich mit Feminismus, Kritischer Theorie sowie dem Nationalsozialismus und seinem Fortwirken. Zurzeit kuratiert sie die Ausstellung „Frankfurt und der Nationalsozialismus“ für das Historische Museum Frankfurt, die 2021 eröffnet wird.

Eine Brecht-Lesung – „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten“

Mike Melzer

Dienstag, 26.08, 21:00 Uhr

Die titelgebende Zeile von Bertolt Brecht (1898 – 1956) scheint fast prophetisch. Diese, unsere Zeiten brauchen gerade deshalb viel mehr Streitbares, Nachdenkenswertes und Mutmachendes. Und da scheint der widersprüchliche und oft verleumdende Brecht eine reichhaltige Fundgrube seinen “Nachgeborenen” hinterlassen zu haben. Diese Schätze will das Programm heben, um die Zuhörenden anzustacheln, zum Streiten, zum (nach-) Denken und Mut machen zur Solidarität als auch zum Kämpfen für eine gerechte Welt.

Mike Melzer ist Leiter des Arbeitskreises der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Chemnitz, besitzt wahrscheinlich die größte DEFA-Film-Sammlung und liest seit Jahren in Programmen emanzipatorische Dichtung vor.

Vortrag: Walter Benjamin – Was können wir von ihm brauchen, was eher nicht?

Burkhard Müller

Samstag, 29.08., 18:30 Uhr

Mit WB ging es wie mit Kafka: Lange verkannt, galt er als Geheimtipp und gewann endlich den Status nahezu eines Heiligen. Aber Heiligenverehrung ist geistig unergiebig. Es soll hier der Versuch gemacht werden, sein Werk oder jedenfalls Teile davon darauf zu befragen, was damit heute anzufangen wäre, ob stimmt, was er sagt, und warum ja oder nein.

Burkhard Müller ist Dozent für Latein an der TU Chemnitz, Literaturkritiker und Buchautor, lebt seit 1993 in Chemnitz, promovierte in Germanistik zu Karl Kraus.