Sabine Kebir: Antonio Gramscis »Zivilgesellschaft«

Mittwoch, 03.08, 13:30

Im Kampf mit dem italienischen Faschismus, der vorhandene demokratische Institutionen zerstörte, schärfte Gramsci den aus liberaler Tradition stammenden Begriff der Zivilgesellschaft radikaldemokratisch – im Sinne einer zunehmenden Selbstorganisation gesellschaftlicher Mehrheiten, die sich perspektivisch immer mehr Kontrolle über die staatliche Politik erobern. Damit war auch die gesellschaftliche Kontrolle der Wirtschaft gemeint. Die Herstellung gemeinnützlicher Institutionen sei aber nicht ohne Kampf, Brüche und Rückschläge erreichbar.

Gramscis Zivilgesellschaftsbegriff setzt sich ab vom noch nicht unaktuell gewordenen Begriff der bürgerlichen Zivilgesellschaft, in der Strömungen dominieren, die die Kapitalherrschaft festigen. In Gramscis Sinne wurde der Begriff der Zivilgesellschaft jedoch in Demokratisierungsbewegungen ehemaliger Kolonien wirksam, z. B. in Algerien. Dort kam es 1988, vor dem Zusammenbruch des Ostblocks zu einem Mehrparteiensystem, Assoziations- und Pressefreiheit, die gegen den aufkommenden islamistischen Totalitarismus in Stellung gingen.

Sabine Kebir hat zu Gramscis Kulturkonzeption promoviert und zu Gramscis Zivilgesellschaft habilitiert. Ihre Arbeiten erfassen die globalpolitische Bedeutung seines Werks.

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