Vortrag: Utopisches Denken im Spätmittelalter? Christine de Pizans Buch von der Stadt der Frauen (1405)

Margarete Zimmermann

Montag, 23.08., 18:00 Uhr

Die Franko-Italienerin Christine de Pizan (~1364-~1430) gehört heute zu den meistgelesenen Autor:innen des europäischen Mittelalters, vor allem dank ihres erst seit den 1970er-Jahren wiederentdeckten und in viele Sprachen übersetzten Buchs von der Stadt der Frauen (Le Livre de la Cité des Dames), eine fulminante Streitschrift gegen misogyne hate speech und eine Verteidigung des weiblichen Geschlechts, dargestellt als die Geschichte der Errichtung einer imaginierten Stadt aus ‚Bausteinen’ besonderer Art. Außerdem hat Christine de Pizan von 1400–1429 ein ebenso umfangreiches wie vielfältiges Werk geschaffen, dessen Hauptanliegen ein politisches, erzieherisches und reformerisches ist. Ihre Schriften hatten eine europäische Verbreitung, sie war eine aktive Kulturvermittlerin zwischen Frankreich und Italien und eine Autorin, die mit Hilfe zahlreicher Selbstdarstellungen ihr eigenes Bildgedächtnis geschaffen und damit entschieden zum Erfolg ihrer Werke beigetragen hat.

In meinem Vortrag im Rahmen des Chemnitzer Festivals Kantine geht es zunächst um ihr Buch von der Stadt der Frauen als eine (Raum)Utopie besonderer Art sowie ferner – nach einem Blick auf ihre Wirkungsgeschichte seit dem 19. Jh. – um die Frage, ob und weshalb wir sie heute als Feministin verstehen können.

Margarete Zimmermann ist eine deutsche Romanistin und emeritierte Hochschullehrerin. Sie übersetzte und veröffentlichte das Christine de Pizans Buch von der Stadt der Frauen.

Foto: Die schreibende Christine de Pizan. Ms. Harley 4431, fol. 3v.© British Museum

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