Workshop: Einführung in das Kapital

Marvin Gasser und Franz Heilgendorff

Montag, 06.08.18, 17.30 Uhr

Die Geschichte der kapitalistischen Produktionsweise ist vergleichsweise kurz, aber dennoch sehr beachtlich: gewaltige Kriege, ungeheurer Wohlstand neben der bittersten Armut, Städte mit abermillionen Einwohnern, die drohende Vernichtung des globalen Ökosystems. Bereits 1848 formulierten Marx und Engels im „Manifest der kommunistischen Partei” diese Vision der kapitalistischen Epoche und behielten dabei weitestgehend recht: „Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neu gebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.”

Lasst uns daher gemeinsam versuchen genau dies tun – die gesellschaftlichen Beziehungen mit nüchternen Augen betrachten. Obwohl laut Marx und Engels die Menschen dazu gezwungen sind, ergibt sich hieraus kein Automatismus, denn getan wird dies in den aller seltensten Fällen. Auch dort wo eine kritische Untersuchung der gesellschaftlichen Beziehungen im Kapitalismus noch am ehesten zu leisten wäre, wie in den sozialen Bewegungen und ihren institutionellen Ausformungen, oder auch den sogenannten Gesellschaftswissenschaften, wird kaum Klarheit über die Verhältnisse hergestellt.

Daher möchten wir anhand einer multimedialen Einführung in das „Kapital” zeigen, wie eine kritische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Gegenstand Kapitalismus aussehen kann. Dabei geht es nicht nur darum, „das ökonomische Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu enthüllen”, denn Marx war nicht nur ein Wissenschaftler, sondern vor allem auch ein umtriebiger Revolutionär. Mit der Einsicht in die innere Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise, so Marx, wird auch der Schein zerstört als sei diese Gesellschaftsformation irgendwie ’natürlich‘. Vielmehr zeigt sich, dass der Kapitalismus nur eine bestimmte historische Produktionsweise ist, und eine ziemlich verrückte, gewaltvolle und zerstörerische obendrein. Somit kommt Marx auch am Ende von ersten Band des Kapitals zu dem Schluss: „Auf einem gewissen Höhegrad bringt sie [die kapitalistische Produktionsweise] die materiellen Mittel ihrer eignen Vernichtung zur Welt. Von diese Augenblick an regen sich Kräfte und Leidenschaften im Gesellschaftsschosse, welche sich von ihr gefesselt fühlen.” (MEW 23, S. 789)

Nun ist das freilich sehr optimistisch und Unbedacht in Bezug die Möglichkeit sich entwickelnder regressiver Leidenschaften und Kräfte, aber dass die Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise noch auf sich warten lässt, ist offensichtlich. Im Angesicht der gegenwärtigen Krisen ist daher ein genaues Verständnis des Zusammenhangs der Grundlagen der gegenwärtigen ökonomischen Gesellschaftsformation so wichtig. Wir freuen uns auf euch!

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