Vortag: Der Ausnahmezustand bei Walter Benjamin

Manuel Disegni

Mittwoch, 26.08., 15:30 Uhr

„Die Tradition der Unterdrückten belehrt uns darüber, daß der ‘Ausnahmezustand’, in dem wir leben, die Regel ist. Wir müssen zu einem Begriff der Geschichte kommen, der dem entspricht. Dann wird uns als unsere Aufgabe die Herbeiführung des wirklichen Ausnahmezustands vor Augen stehen; und dadurch wird unsere Position im Kampf gegen den Faschismus sich verbessern“.

Tradition der Unterdrückten meint hier: historischer Materialismus. Es wird dargelegt, wie Benjamin die wissenschaftliche Methode von Marx versteht und warum er denkt, dass sie über die Natur des Ausnahmezustands belehren kann. ‘Ausnahmezustand’ meint hier: eine ganz gewöhnliche Form von Gewalt. Um die Bedeutung der Anführungsstriche zu erläutern wird auf die Kritik an Carl Schmitts Definition des Souvärens („wer über den Ausnahmezustand entscheidet“) eingegangen, die Benjamin im Aufsatz Zur Kritik der Gewalt übt.

Was ein wirklicher Ausnahmezustand sein soll ist die zentrale Frage von Benjamins geschichtsphilosophischer Revolutionstheorie, bzw. von seinem Versuch, Marx´ Programm für das 20. Jahrhundert zu aktualisieren. Inwiefern dieser Versuch „unsere“ Position im Kampf gegen den Faschismus verbessern kann, darüber gilt es auch im 21. Jahrhundert zu diskutieren.

Manuel Disegni hat in Berlin studiert und sich dabei hauptsächlich mit Walter Benjamins Philosophie beschäftigt. Jetzt promoviert er an der Universität Turin über Marx und den Antisemitismus.

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