Vortrag: „Das philosophische Quartett“ Adorno, Benjamin, Bloch, Krakauer

Jörg Später

Dienstag, 25.08., 18:30 Uhr

Walter Benjamin sei der merkwürdigste Marxist in einer an Merkwürdigkeiten nicht gerade armen Bewegung gewesen, schrieb die Philosophin Hannah Arendt, die selbst nicht durch Gewöhnlichkeit auffiel. Benjamin war mit ihr während der Pariser Emigrationsjahre befreundet wie auch mit anderen politischen Denkern, so mit Theodor W. Adorno, Ernst Bloch, Bertolt Brecht, Siegfried Kracauer oder Gershom Scholem. Diese Freunde Benjamins waren markante Intellektuelle, zum Teil damals völlig unbekannt. Eines hatten sie gemeinsam: Sie waren entweder radikal im Denken oder sehr eigensinnig – in jedem Fall hoben sie sich ab vom denkerischen Mainstream. Nun sind persönliche Eigenarten und Freundschaften Privatsachen, die uns eigentlich nichts angehen. Doch bei öffentlichen Intellektuellen gilt das nicht im selben Maße, da ihr Denken und Sprechen durchaus von dem mit abhängt, was in ihrem Leben und ihrer Lebenswelt geschieht. Und umgekehrt bestimmt ihre Denkart durchaus mit, welche Freunde sie sich suchen und wie sie ihre Lebenswelt gestalten.
Ich möchte in der Kantine die Geschichte der Freundschaft von Benjamin mit Bloch, Adorno und Kracauer erzählen, und zwar nicht bloß, um den Menschen und die Figur Benjamin in den Augen der anderen aufblitzen zu lassen, sondern um mittels dieses “philosophischen Quartetts” in die damalige Zeit einzutauchen, vor allem was die Weimarer Kulturszene betrifft, die oft beschönigend die Goldenen Zwanziger genannt wird. Die Geschichte der zerbrechenden Freundschaften in den 1930ern wird die fürchterlichen Jahre von Flucht und Emigration spiegeln, die Benjamin im Gegensatz zu den anderen nicht überlebte.

Ich habe Walter Benjamin wesentlich durch Kracauer “kennengelernt”, über den ich eine Biographie (Suhrkamp, 2016) geschrieben habe, studiere die sogenannte Kritische Theorie, zu der Benjamin am Rande gehört, aber seit über 50 Semestern.

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