Eröffnungsvortrag: Zweideutigkeiten. Walter Benjamin und die tiefsten Schächte des Alltäglichsten

Robert Zwarg

Montag, 24.08, 18:30 Uhr

Theodor W. Adorno hat seinen Freund Walter Benjamin einmal als einen Magier beschrieben, „mit einem sehr hohen Hut und mit einer Art von Zauberstock.“ Zwar liegt darin bereits das Element des verkitscht Romantischen, das aus der späteren Benjamin-Rezeption nicht weg-zudenken ist – ebenso wenig wie stilisierende Vereinseitigungen als Revolutionär, Mystiker oder Vorläufer des Poststrukturalismus. Und dennoch trifft Adornos Charakterisierung etwas Entscheidendes an Benjamins Denken, das vor dem Hintergrund der Schalheit zeitgenössischer Philosophie und Kulturtheorie gar nicht genug betont werden kann: die Fähigkeit, wie mit Zauberhand aus dem Nächsten den Funken des Fernsten zu schlagen und, mit anderen Worten, das Alltäglichste zum Material seiner Denkbilder zu machen. Der Vortrag wird Walter Benjamin, der sich vor 80 Jahren an der französisch-spanischen Grenze auf der Flucht vor den Nationalsozialisten des Leben genommen hat, als Physiognom des Alltags vorstellen, als aufmerksamen Kritiker einer Sphäre, die ihre Geltung gerade daraus bezieht, das sie als selbstverständlich erscheint.

Robert Zwarg ist Philosoph und Übersetzer und lebt in Leipzig. Derzeit arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der International Psychoanalytic University (IPU) in Berlin. Veröffentlichungen: „Kritische Theorie in Amerika. Das Nachleben einer Tradition“ (Göttingen 2017)

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