Zu Rosa Luxemburgs Kritik der „nationalen Befreiung“

Vortrag von Olaf Kistenmacher am Donnerstag, 08.08.2019, 11.00 Uhr

Gegen den Imperialismus war die organisierte Arbeiterbewegung schon immer. Aber erst im Anschluss an Wladimir I. Lenins „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ und seine Thesen zur „nationalen und kolonialen Frage“ entwickelte die Kommunistische Internationale in den 1920er Jahren eine antiimperialistische Position und setzte global auf „nationale Befreiungsbewegungen“. Rosa Luxemburg hatte vor dem Ersten Weltkrieg nicht nur eine andere marxistische Erklärung des Imperialismus als Lenin formuliert. Sie hatte auch früh die Vorstellung kritisiert, dass die politische Linke sich für die „nationale Befreiung“ oder das „Selbstbestimmungsrecht der Nationen“ einsetzen sollte. Dabei blieb sie. In ihrer Auseinandersetzung mit der russischen Revolution schrieb sie 1918, dass „die Phrase von der Selbstbestimmung und die ganze nationale Bewegung, die gegenwärtig die größte Gefahr für den internationalen Sozialismus bildet“, durch die Bolschewiki „eine außerordentliche Stärkung erfahren“ habe.

Olaf Kistenmacher, Hamburg, ist Historiker und Journalist. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit antisemitischen Aussagen in der Tageszeitung der KPD während der Weimarer Republik. Veröffentlichung zum Thema: „Selbstbestimmung als Phrase. Rosa Luxemburg als antinationale Marxistin“, in: Jungle World 1, 3. Januar 2014

Link: https://jungle.world/artikel/2014/01/selbstbestimmung-als-phrase

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