Krisendynamiken, Landnahmen, Externalisierungen – und mögliche Gegenstrategien

Zur Aktualität von Rosa Luxemburgs Analyseperspektiven und ihren verdeckten Spuren in den Sozialwissenschaften

Vortrag von Tino Heim am Mittwoch, 07.08.2019, 11.00 Uhr

Gedenkadressen zum 100. Todestag würdigen Rosa Luxemburg einmal mehr v.a. als politische Aktivistin und Strategien. Gedacht wird der Kämpferin, der brillanten Agitatorin und Publizistin oder der scharfen Kritikerin – sowohl der Sozialdemokratie als auch des Leninismus. Insofern sie fatalen Weichenstellungen im sozialdemokratischen Rückzug auf systemstabilisierende Reformpolitik wie in den revolutionären Strategien der Bolschewiki früh erkannte, gilt sie immerhin auch als Vordenkerin eines antiautoritären und basisdemokratischen Sozialismus. Hier oder in ihrem konsequenten Internationalismus und der kompromisslosen Haltung gegen den Nationalismus innerhalb proletarischer Bewegungen, bleibt Luxemburg auch als Theoretikerin und Analytikerin in Erinnerung – freilich oft erneut in Verkürzung auf dezidiert politische Überlegungen.

Oft übergangen wird dabei, dass Luxemburg auch eigenständige und substantielle Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte oder zur kapitalistischen Krisentheorie hinterlassen hat, die – trotz mancher strittiger ‚zusammenbruchstheoretischer‘ Engführungen – heute erneut überaus aktuell erscheinen. Die eng mit der Krisentheorie verbundene Imperialismustheorie nimmt zugleich wichtige Themen und Theorietrends vorweg, die in den Sozialwissenschaften erst in den letzten 50 Jahren für Furore sorgten. Neo- und Postmarxistische Theorieströmungen – etwa Weltsystemanalyse und Dependenztheorie – oder auch die Postkolonial-Studies und jüngste soziologischen Zeitdiagnosen zur kapitalistischen ‚Landnahme‘ (K. Dörre) oder zur ‚Externalisierungsgesellschaft‘ (S. Lessenich), sind dabei oft direkt oder indirekt von Luxemburgschen Überlegungen beeinflusst und geprägt.

Der Vortrag stellt ausgehend von einem Input zur historischen und theoriesystematischen Einordnung einige Textauszüge und Zitate von Luxemburg zur Diskussion, um die Aktualität der Analytikerin und Theoretikerin sowie ihren verschütteten und verdeckten Einflüssen in Sozialwissenschaften gemeinsam zu sondieren.

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