»Jahrhundertwende«

Essayfilm und Diskussion mit Regisseur Moritz Liewerscheidt am Dienstag, 06.08.2019, 22.00 Uhr

Die Nazis, das sind die Anderen. Nach Jahrzehnten medialer Omnipräsenz der Bilder vom Neonazi als ostdeutschem Verlierertyp mit Glatze und Bomberjacke sticht eine frappierende argumentative Hilflosigkeit gegenüber den rhetorischen Figuren einer aufstrebenden »Neuen Rechten« ins Auge. Worin aber bestand oder besteht noch gleich – jenseits von Klischees und Äußerlichkeiten – jenes »rechte Gedankengut«, dem – wohl in Konsequenz jener Hilflosigkeit – »keine Plattform« geboten werden darf?

»Jahrhundertwende« ist eine filmische Reflexion zum Verhältnis von Aufklärung und Romantik, Spätkapitalismus und (Neo-)Nazismus. In der Konfrontation von Gegenwartsbildern mit historischen Texten des fortschrittsoptimistischen Marxismus des 19. Jahrhunderts und der völkisch-antisemitisch grundierten Fortschrittskritik des frühen 20. Jahrhunderts möchte der Essayfilm noch einmal die Dialektik einer Aufklärung nachvollziehen, die unvollendetes Projekt blieb. Die offene Form des Films, der die Erwartung eines »allwissenden Erzählers« als vermittelnder Instanz gezielt unterläuft, erlaubt unterschiedliche Zugänge und fordert ein kritisches Publikum, das bereit ist, »sich seines eigenen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen«.

Im Anschluss an die Filmvorführung bietet eine Publikumsdiskussion mit dem Regisseur die Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit den vom Film aufgeworfenen Fragen zu vertiefen.
Infos: www.moritzliewerscheidt.de

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