Rosa Luxemburgs Krisen- und Zusammenbruchstheorie

Vortrag und Diskussion mit Markus Winterfeld am Freitag, 09.08.2019, 14.00 Uhr

Rosa Luxemburgs Krisen- und Zusammenbruchstheorie war sowohl theoretische wie politische Intervention. Die Theoretiker der Sozialdemokratie hatten die von Marx im Kapital Band II aufgestellten Reproduktionsschemata als Beweis genommen, dass die kapitalistische Gesellschaft nie mehr produzieren könne als sie zu konsumieren in der Lage ist. Eine allgemeine Überproduktion wäre daher unmöglich, Krisen entstünden nur aufgrund mangelnder gesellschaftlicher Planung, würden aber mit zunehmender Zentralisierung des Kapitals verschwinden. Produziert der Kapitalismus aber nicht in steigendem Maße Krisen und Verelendung, so entfällt jeder Zwang, ihn abzuschaffen. Es ist daher keinesfalls zufällig, dass alle Versuche, sich im Kapitalismus einzurichten, zuallererst die marxistische Krisentheorie beseitigen müssen, wie Rosa Luxemburg in ihrem ökonomischen Hauptwerk, „Die Akkumulation des Kapitals“, 1913 schrieb:

„Es ist klar, daß, wenn man die schrankenlose Akkumulation des Kapitals annimmt, man auch die schrankenlose Lebensfähigkeit des Kapitals bewiesen hat. … Ist die kapitalistische Produktionsweise imstande, schrankenlos die Steigerung der Produktivkräfte, den ökonomischen Fortschritt zu sichern, dann ist sie unüberwindlich. Der wichtigste objektive Pfeiler der wissenschaftlichen sozialistischen Theorie bricht dann zusammen, die politische Aktion des Sozialismus, der Ideengehalt des proletarischen Klassenkampfes hört auf, ein Reflex ökonomischer Vorgänge, der Sozialismus hört auf, eine historische Notwendigkeit zu sein.“

Der Vortrag stellt Rosa Luxemburgs Krisen- und Zusammenbruchstheorie dar und geht auf die Gegenargumente späterer Marxisten, insbesondere Henryk Grossmanns, ein. Der Vortrag zeigt, dass zwar Rosa Luxemburgs Lösungsversuch der Krisenfrage widerlegt wurde, nichtsdestotrotz ihre Einwände gegen die frühen ökonomischen Darstellungen des Krisenproblems auch auf ihre späteren marxistischen Kritiker zutreffen. Rosa Luxemburgs theoretische Leistung ist daher mitnichten überholt. Der Vortrag schließt mit einigen Thesen, wie im Anschluss an Rosa Luxemburg von der Krisen- auf die Werttheorie zurückgegangen werden muss, um eine theoretische Erklärung der kapitalistischen Krisen zu geben.

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